COBYNs KOLUMNE

BRAVE DEMO GEGEN RECHTS

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Das Demonstrationsrecht wurde bereits im Staatsgrundgesetz von 1867 aufgelistet. Abgesehen von einigen Novellierungen gilt dieses Gesetz bis heute.

Da wir in Österreich im Moment keine gravierenden Probleme haben, gibt es für uns kaum mehr einen Grund auf die Straße zu gehen. Das Atomkraftwerk ist Geschichte, die Hainburger Au gerettet und Friedensbewegungen ein Relikt der 80iger Jahre und kein Thema mehr. Gut geht’s uns, aber fad ist uns.

© Manfred Cobyn

Zum Glück drehen sich einmal im Jahr merkwürdige, Farben tragende Burschen, im Dreivierteltakt und haben es lustig am Akademikerball in der Wiener Hofburg. So auch am 26. Jänner 2018, aber das fanden an die 8000 Menschen weniger lustig und machten von ihrem Demonstrationsrecht gebrauch. „Weg mit den Nazis“, „Kein Nazi in der Hofburg“ skandierte die erboste Demo-Menge und marschierte munter durch die Innenstadt und ich marschierte mit. Bewegung schadet nie, und solange ich noch Rollator-Unabhängig bin, stürze ich mich gerne ins Getümmel der Erbosten. „Hoch die internationale Solidarität“ intonierte die Menge. Der Spruch hat sich seit den 70iger Jahren nicht geändert und gehört auch im Jahr 2018 zum Standardrepertoire eines Protestanten. Eigentlich ist es ein Kampflied der sozialistischen, marxistischen Arbeiterbewegung und 1871 entstanden. Damals gab es wirklich viele Gründe, um auf die Straße zu gehen, und zwar existenzielle. Die Menschen damals verlangten Brot, um zu überleben!

© Manfred Cobyn

Heute haben wir Brot im Überfluss und viel Zeit, eine Demo entpuppt sich da mal schnell zum happening und das ist gut so. In Deutschland kommt es immer wieder zu sinnlosen gewalttätigen Ausschreitungen, da geht es nicht mehr um Protest, sondern um Spaß an Gewalt. Wir sind relativ brav und gemütlich. Ich habe einige vermummte Gestalten gesehen, die unbedingt Radau wollten, egal mit wem. Sie brüllten unverständliches Zeugs, waren aber nicht in der Lage aufrecht zu stehen, da sie sich schon dumm gesoffen hatten.

© Manfred Cobyn

Ein vermummter Demonstrant fand es besonders klug, sich vor den Beamten, mit einer Bierdose in der Hand, zu positionieren und zu fluchen wie ein Zuhälter in Marseille. Die Uniformierten ließen den shitstorm gelassen über sich hinweg wehen, doch er trieb sein sinnloses Handeln an die Spitze und es kam, was kommen musste. So schnell hat der gute Mann nicht schauen können und war flugs in Polizeigewahrsam. Sein Ausweis und sein Rucksack wurden kontrolliert und dann durfte er wieder nach Hause gehen und seinen Rausch ausschlafen.

© Manfred Cobyn

Schnell war eine Meute um das Geschehen und brüllten „Lasst ihn frei“, oder „Nieder mit der Polizeigewalt“ und ähnlichen Schwachsinn. Ich hab alles in erster Reihe beobachtet, die Polizei hat sich korrekt verhalten.

Der Abend verlief sehr friedlich und das ist auch den 3000 Männern und Frauen der Polizei zu verdanken, die sich sehr professionell anstellten. Es gab schon Demos, wo das Wort Staatsgewalt allzu wörtlich genommen wurde und es ein paar Sätze rote Ohren, oder Kopfnüsse hagelte, freundlich ausgedrückt.

Fazit der kühlen Jännernacht seitens der Demonstranten: Österreich ist wieder einmal Naziland, in der Regierung sitzen nur Nazis, alles ist schlecht und schlimm. Problemchen kann man sich auch einreden und warum nicht bei einem gemütlichen Spaziergang mit Gleichgesinnten.

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1 Comment

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