BÜHNE

„LIEBEN SIE BRAHMS?“

Von  | 

…oder besser gesagt: Lieben Sie den falschen Mann?

Regisseurin Nicole Metzger inszenierte im Theater Spiel Raum erneut einen Klassiker der französischen Kultautorin Françoise Sagan. SCHiCK Redakteurin Hillevi Hofmann war bei der Generalprobe live dabei.

Françoise Sagan war gerade einmal 24 Jahre jung, als Sie den Erfolgsroman „Lieben Sie Brahms“ schrieb. Ein Werk, welches heute tief in der französischen Literatur verankert ist und 1961 mit der großen Ingrid Bergman von Regisseur Anatole Litvak verfilmt wurde. Ein Werk, welches im Grunde von einer alten, erfahrenen Frau stammen müsste, so reich an Erfahrung ist diese tragisch-schöne Liebesgeschichte, in der sich wohl jeder irgendwann in seinem Leben wieder erkennt.

© Barbara Pálffy

Die Liebe einer reifen Frau zu einem 15 Jahre jüngeren Mann ist heutzutage nichts Besonderes mehr, mehr noch, seit Demi Moore und Madonna gilt es quasi als schick, sich einen jüngeren Toy Boy zu halten. 1961 war das jedoch noch ein Skandal. Ingrid Bergmann lag die Rolle von Anfang an sehr am Herzen, da sie mit ihrer Darstellung eine Ansage an das prüde Amerika machen wollte.

Paule (40), die Hauptfigur der theatralen Fassung führt seit über fünf Jahren eine, sagen wir, nicht ganz gewollt offene Beziehung zu dem knapp älteren Roger. Dieser verkörpert das Männerklischee wie aus dem Bilderbuch: glücklich unverheiratet, emotional routiniert abhängig von Paule und dennoch jederzeit zu einem Seitensprung bereit. Die Leidenschaft zwischen den beiden scheint erloschen. Wenn Roger will, springt Paule. Will er nicht, greift sie zum Buch. Romantik geht anders! So wacht Amor stets an der Seite der beiden und wundert sich.

© Barbara Pálffy

Regisseurin Nicole Metzger hat sich nach „Bonjour Tristesse“ erneut einem Klassiker Sagans angenommen und dieses wunderbar leicht, modern und kitschbefreit im Theater Spielraum inszeniert. Denn Dana Proetsch ist hier als Paule in ihrem Element. Sie verkörpert nahezu perfekt den Wunsch einer 40 jährigen, emanzipierten Frau nach Romantik, Geborgenheit und Kontinuität. Ingrid Bergman wurde für ihre Darstellung oftmals kritisiert, die nicht mehr taufrische Paule nicht überzeugend genug dargestellt zu haben. Das mag im Auge des Betrachters liegen. Besonders heutzutage. Dana Proetsch schafft das mit Leichtigkeit: sie ist noch immer das Mädchen, dass sich nach Romantik sehnt – jedoch im Körper einer reifen, modernen Frau, die genug erlebt hat um zu wissen was sie will.

Den nicht minder bezaubernden Verehrer gibt Nikloaas von Schrader, (einer glücklichen Mischung aus Anthony Perkins und François Truffaut), der alles in seiner Macht stehende unternimmt, um die Liebe der reifen Paule zu gewinnen. Er, Sohn aus reichem Hause, hat nie wirklich gelernt zu arbeiten, auch wenn die Liebe zu Paule genügend Arbeit für den jungen Mann darstellt. Diese genießt zwar ihren Flirt mit dem jungen Heißsporn, hängt aber emotional noch immer an Roger (Roland Miller-Aichholz), einem leicht schmierig anmutenden Transportunternehmer, der seine Arbeit stets als Alibi hernimmt, um sich mit der schönen Maisy (humorvoll und sehr schön anzusehen: Veronika Petrovic) und anderen jungen Damen zu vergnügen.

Dieses junge Lolita-Wesen scheint in ihrer Einfachheit und Unbeschwertheit anfangs mit Roger auf einer Welle zu schwimmen. Doch nach Tagen des Vergnügens wird auch Roger des Fremdgehens müde. Er scheut Konfrontationen, spricht Dinge nicht beim Namen aus, merkt erst, was er an Paule hat, als sie sich ihm entzieht. Wie so oft im Leben, weiß man erst was man an einem Menschen hatte, wenn man ihn verliert. So auch Roger. Er beginnt zu begreifen. Vorerst. 

Die Wochen vergehen, Paule und Simon scheinen glücklich. Auch wenn sie hin und wieder die ordnungsliebende Mutter raushängen lässt. Simon hingegen lebt in dauernder Verlustangst, beginnt zu trinken. Es kommt wie es kommen muss, Paule trifft eines Abends erneut auf Roger und kehrt zu ihm und der monotonen Alltagsroutine zurück. Vielleicht weil Frauen komplizierte Wesen sind, die glauben, zu wissen, was sie wollen und dennoch immer wieder gegen ihr eigenes Glück handeln. Simon bleibt als tragischer Held mit gebrochenem Herzen zurück. Er hätte alles für Paule getan, sie auf Händen getragen. Wenig verwunderlich also, dass Amor (Veronika Petrovic) sich auch weiterhin nur über die Menschen und ihr Handeln wundern kann.

© Barbara Pálffy

Für die schicken Kostüme zeichnet Anna Pollack verantwortlich, die wohl das Herz jedes weiblichen Besuchers höher schlagen lässt. Tom Barcal hat wie schon bei „Bonjour Tristesse“ erneut eine äußerst harmonische Lichtstimmung in den Bühnenraum gezaubert. Fazit: 95 Minuten kurzweiliges Theater vom Feinsten. Ein gut besetztes, sehr flott und flüssig gespieltes Stück, untersetzt mit stimmungsvoll-romantischer Vintage-Musik und einer noch wichtigen Message an uns Frauen: riskiert etwas! Pfeift auf langweilige Konventionen, Einsamkeit und Gefühls-Monotonie. Schaut, dass ihr glücklich seid. Macht Amor Freude und nehmt den Prinzen, wenn er euch begegnet- auch wenn er jünger (oder älter) ist.

Im Anschluss an die Vorstellung bat SCHiCK Redakteurin Hillevi Hofmann die Darsteller noch zu einem kurzen Interview und es bestätigte sich, wie harmonisch und gut zusammengestellt dieses Ensemble unter der Leitung von Nicole Metzger ist. Vier spielfreudige Menschen plauderten trotz Probenstress aus dem Nähkästchen, über die Probenzeit, Beziehungen, Männer-& Frauenklischees und die Liebe. Schauspielerin Dana Proetsch selbst kann wenig mit Paules Entscheidung, zu Roger zurückzugehen, anfangen. Überhaupt ist ist ihr Paules Art und Verhalten fremd.

Der im Stück so „typische“ Mann (Roger/ Roland Miller-Aichholz) entpuppt sich als charmanter, absolut frauenfreundlicher Geselle. Und Nikolaas von Schrader ist für mich auch abseits der Bühne eine Mischung aus Anthony Perkins und junger François Truffaut der Nouvelle Vague-Ära. Humorvoll, nachdenklich, zuvorkommend und höchst authentisch. Von diesem jungen Mann wird man noch einiges sehen! Aktuell ist er in der österreichischen Horrorverfilmung „Die letzte Party deines Lebens“ zu sehen. Und Veronika Petrovic? Diese ist weit mehr als nur ein hübsches Gesicht. Sie hat großes Potential, vor allem im komischen Fach. Was ja bekanntlich das Schwierigere ist.

 

BESETZUNG

REGIE
Nicole Metzger

BÜHNE & KOSTÜM
Anna Pollack

RAUMKONZEPT
Harald Ruppert

LICHT
Tom Barcal

DARSTELLER

PAULE (Raumausstatterin): Dana Proetsch
ROGER (Transportunternehmer): Roland Miller-Aichholz
SIMON VAN DEN BESCH (Referendar einer Anwaltskanzlei): Nikolaas von Schrader
AMOR, MAISY, SEKRETÄRIN, MÄDCHEN: Veronika Petrovic

 

THEATER SPIEL RAUM

Kaiserstraße 44-46; 1070 Wien

Donnerstag 12. April (Premiere), Vorstellungen bis 5. Mai,
täglich außer Sonntag und Montag, Beginn: 19.30h

WEBSEITE & KARTENwww.theaterspielraum.at

FACEBOOK: facebook.com/pages/Theater-Spiel-Raum

 

Gewinnspiel SCHiCK Magazin OK Sweetheart

WIR VERLOSEN
1 x 2 Karten
für „LIEBEN SIE BRAHMS“ im Theater Spiel Raum

Füllt uns das Gewinnspielformular bis am 22.04 2018 um Mitternacht
mit dem Betreff  „BRAHMS“ aus und erfüllt die Teilnahmebedingungen!

Die Gewinner werden telefonisch oder per Facebook-Nachricht verständigt!

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