FILM

SCHiCK zu Besuch am Filmset von „Erik. Weltmeisterin“

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Der Prozess einer Umwandlung

Am 11. März fiel die erste Klappe für die österreichisch-deutsche Kino-Koproduktion „Erik. Weltmeisterin“ unter der Regie von Reinhold Bilgeri. Die besagte Titelrolle spielt der junge, talentierte Schauspieler Markus Freistätter, der zuvor schon am Theater in der Josefstadt, sowie am Theater der Jugend tätig war.  An seiner Seite spielen Größen wie Cornelius Obonya, Marianne Sägebrecht und Harry Prinz.

Der Film „Erik.Weltmeisterin“ erzählt die Geschichte der in den 1960er Jahren gefeierten Abfahrtsweltmeisterin Erika Schinegger, die durch ihre „Intersexualität“ und die Einführung des sogenannten „Sex-Tests“ im Skisport jedoch in späterer Folge zu einem beispiellosen Skandal der Presse wurde. Eines traumatisierten Skiwunders, der als Mann und Frau die Hölle auf Erden erleben musste und erst viele Jahre später seinen Frieden gefunden hat. Wohl auch, weil die Gesellschaft mit Tabuthemen wie diesen heutzutage besser umzugehen weiß.

Das passierte so: Bei den olympischen Spielen 1966 in Grenoble stellte sich im Laufe einiger medizinischer Voruntersuchungen heraus, dass Erika genetisch gesehen ein Mann ist. Als vermeintlich weibliche Skirennläuferin machte sie zuvor furios Karriere für den ÖSV Skiverband, als Mann wurde er jedoch verstoßen und des Betruges bezichtigt. Die Meldung war damals ein Riesen-Skandal, eine Sensation, und für Erika der Untergang: „Ende der Karriere im jungen Alter von 19 Jahren“ schrieb die Presse vernichtend. Er selbst mag es wohl immer gespürt haben, einige wenige etwas geahnt haben. Der ÖSV selbst wollte die ganze Geschichte vertuschen, sie als Frau um-operiert sehen. Erik/Erika entschied sich dagegen und musste Medaille und Ruhm abgeben. Lange Zeit wurde an einem Kinofilm über Schineggers spannende und ergreifende Geschichte gearbeitet und sogar Hollywood war an der Verfilmung des Stoffes interessiert. 

Nun verfilmen Lotus Film Wien und Zeitsprung Pictures Köln diese tragische Geschichte über die Ungerechtigkeit der Natur, die Tabuthemen der 1960er/1970er-Gesellschaft und den Österreichischen Skiverband. Gedreht wird noch bis Ende April an Originalschauplätzen in Kärnten wie Neuhaus, Sankt Urban und Umgebung, andere Spielorte sind das Skigebiet Gerlitzen und Lavamünd, aber auch Wien und Innsbruck. Geplanter Kinostart ist 2018.

SCHiCK war beim Dreh in Wien dabei und traf den Regisseur Reinhold Bilgeri, sowie die Darsteller Markus Freistätter und Cornelius Obonya zum Interview. Film-Location war an diesem Tag die Forstakademie in Mariabrunn, welches früher als Kloster diente. Hätte ich nicht selbst einst in der Nähe gewohnt, hätte man denken können man sei am tiefsten Land und nicht im 14. Wiener Gemeindebezirk. Der Himmel war strahlend blau und die Sonne erinnerte eher an Hochsommer, denn an Frühlingsbeginn. So „flüchteten“ wir in den kühleren Innenhof des wunderschönen Anwesens.

Zusammenfassend empfanden wir die Stimmung am Set als äußerst angenehm und stressfrei. Das Team arbeitete ruhig und hochkonzentriert, jeder schien in seinem Element zu sein. Nun kenne ich ja seit Jahren die unterschiedlichsten Filmsets. Hier hatte ich das Gefühl von hohem gegenseitigen Respekt, von sehr viel Arbeitsfreude. Die Filmleute gingen gut gelaunt ihrer Arbeit nach. Bei so einer angenehmen Arbeitsatmosphäre und einem so tollen Team muss der Film einfach wunderbar werden. SCHiCK freut sich schon sehr darauf und wünscht  noch angenehme Drehtage.

PRODUZENTEN:
Tommy Pridnig, Peter Wirthensohn, Michael Souvignier, Till Derenbach
BESETZUNG:
Markus Freistätter, Lili Epply, Anna Posch, Birgit Melcher, Gerhard Liebmann, Rainer Wöss, August Schmölzer
REGIE: Reinhold Bilgeri
DREHBUCH: Dirk Kämper
KAMERA: Carsten Thiele
SCHNITT: Karin Hartusch

INTERVIEW MIT REINHARD BILGERI

SCHiCK: Lieber Herr Bilgeri, wie ist denn die Zusammenarbeit mit dem jungen Markus Freistätter, der in die schwierige Rolle eines Erik Schineggers schlüpft?
REINHOLD BILGERI:
Es ist eine helle Freude! Ich habe beim Casting in der ersten Sekunde, wo er den Blick gemacht und den ersten Satz gesagt hat gewusst: das ist er! Weil er diese ganze Ambivalenz in sich trägt. Einerseits hat er diese androgyne Seite, dann diese witzige, freche Seite aber auch eine ganz zarte, mädchenhafte Seite. Das ist alles in ihm drinnen, in seinen Augen nämlich. „It´s all in the eyes“. Er ist auch hochintelligent, vor allem hat er eine ganz hohe emotionale Intelligenz und ist deshalb im Stande, die ganze Bandbreite dieser Figur abzudecken.

SCHiCK: Sehr schwer zu Spielen kann ich mir vorstellen.
REINHOLD BILGERI
: Ja, sehr schwierig zu spielen. Und zwar alles auf die Sekunde abrufbar. Er liefert sofort das, was man will. Man sagt ihm zum Beispiel: „bleib noch ein bisserl mehr die Erika, der Erik ist in noch nicht ganz da“ und dann bringt er das, von einer Sekunde auf die andere. Also für mich ein ganz großes Talent.

SCHiCK: Wie ist die Idee zu diesem Film eigentlich entstanden? Es gab ja eine bereits eine Doku über Erik Schinegger. Warum dieser Film?
REINHOLD BILGERI:
Weil das als Spielfilm selbst noch nie thematisiert worden ist. Heute ist das Transgender-Thema ein großes internationales Thema geworden und sehr brisant. In Österreich war Erika Schinegger und Erik Schinegger lange Zeit ein tabuisiertes Thema.

SCHiCK: Ich kann mich noch daran erinnern.
REINHOLD BILGERI:
Ich auch und ich war ein großer Fan, von beiden eigentlich. Ich finde es ist an der Zeit, dass man diese Geschichte jetzt ausgräbt und aufs Tablett bringt. Und zwar so, wie es damals wirklich war.

SCHiCK: Einen Film mit diesem Thema hätte man wahrscheinlich in den 70er/80er Jahren nicht verfilmen können, oder?
REINHOLD BILGERI:
Ja, irgendwie war es noch zu früh. Jetzt hat sich die Welt ein bisschen weiterentwickelt, es ist eine gewisse Toleranz eingezogen ins Abendland, wobei auch gerade wieder eine Retrophase eintritt. Aber ich sage: das geht sich grad noch aus. (lacht)

SCHiCK: Wir sind schon sehr auf den fertigen Film gespannt. Viel Erfolg und danke für das Interview.
REINHOLD BILGERI:
Sehr gerne.

 

INTERVIEW MIT CORNELIUS OBONYA:

 

SCHiCK: Herr Obonya, was war ausschlaggebend, dass sie diese Rolle angenommen haben bei diesem Film? Sie spielen ja den ÖSV Präsidenten Dr. Fischer.
CORNELIUS OBONYA:
Nun, weil dieser Dr. Fischer, dieser ÖSV Präsident kein böser Mensch ist. Er ist verzweifelt, er ist allerdings gefangen in seiner Verbands-Präsidentenposition, das heißt das kann er nicht aufgeben. Und er kann auch nicht zugeben, dass Fehler gemacht wurden. Das auf keinen Fall. Und dann versucht man halt das, zum Teil auf eine sehr österreichische Art und Weise, hin und her zu drehen, nach dem Motto „irgendwie wird das schon“, es wird aber nicht. Also das sportliche Desaster für Schinegger bleibt. Privat geht es quasi in eine Richtung wo es gut ist für ihn. Als Mann, der er immer war. Dennoch ist es eine sportliche Karriere, die wirklich traumhaft hätte sein können noch einmal, für viele Jahre vielleicht sogar. Denn so wie er gefahren ist als Frau wäre das noch unglaublich gewesen, aber das wurde ja, musste ja planiert werden und da haben die Herren vom Verband das getan was getan werden musste und was für damalige Zeiten auch vollkommen normal war. Das hat mich, glaube ich, sehr angeregt. Diese Normalität dieser Figur, der gar nicht anders kann aber dann doch versucht ganz schnell die eigenen Wege zu gehen. In dem Moment wo die eigene Position gefährdet wird, ist es dann nicht mehr so viel mit der Menschlichkeit.

SCHiCK: Ist die Gesellschaft Ihrer Meinung offener geworden gegenüber solchen Tabuthemen? Wir haben unter anderem Conchita Wurst, also auch hierzulande diese akzeptierte und gelebte Transsexualität. Ist es gut, dass die Gesellschaft so offen geworden ist?
CORNELIUS OBONYA:
Ja natürlich. Dass es diese Dinge gibt, dass es Menschen gibt, die da ganz, ganz verzweifelt sind, weil sie in etwas leben müssen, was andere von ihnen wollen oder was ihnen vorgegeben wurde. Dass diese Möglichkeit jetzt viel freier und viel offener ist, das Leben zu können, um notwendige Schritte zu setzen, sei das operativer Natur, finde ich großartig. Vor allem, dass die Tabus weg sind. Dass man offen darüber redet, und dass es keine „Krankheit“ ist, sondern da spielen viele kleine Zufälle mit. Dann ist es halt nicht so geworden, wie man es „normal“ gewohnt ist. Und was ist normal?

SCHiCK: Letzte Frage: wie war die Zusammenarbeit mit Markus Freistätter, den ich selbst seit meiner Zeit bei „Filumena Maturano-Hochzeit auf Italienisch“ an der Josefstadt kenne und schätze? Wie macht er sich als quasi „Neuling“?
CORNELIUS OBONYA:
Es ist ein reines Vergnügen, er macht sich großartig! Wunderbar! Er ist extrem gut vorbereitet, was soll ich sagen? Es macht einfach riesigen Spaß. Es harmoniert.

SCHiCK: Was würden Sie jungen Schauspielern mit auf den Weg geben?
CORNELIUS OBONYA:
Locker gebundene Schuhe!

SCHiCK: Das ist ja mal ein Tipp! Vielen Dank für das Interview und ab in die wohlverdiente Mittagspause.


Interview mit Markus Freistätter:

 

SCHiCK: Lieber Markus, danke, dass du dir kurz Zeit für ein Interview nimmst.
MARKUS FREISTÄTTER: Sehr gerne!

SCHiCK: Wie, wo und wann hast du denn erfahren, dass du die Rolle der/des Erik(a) Schinegger übernehmen wirst?
MARKUS FREISTÄTTER: Casting hatte ich März 2016, zweite Runde April 2016 und erfahren habe ich es dann Juni, Juli 2016. Dann habe ich noch lange geschwiegen, es für mich behalten, denn es kommt ja auch oft auf die Finanzierungen an, ob das alles passt und durchgeht und da bin ich vorher lieber ruhig. Ich freue mich natürlich. Aber so richtig freu ich mich dann wenn es losgeht.

SCHiCK: Deine erste Reaktion als du das „OK“ bekommen hast?
MARKUS FREISTÄTTER: Ich weiß noch ich war im Zug, was schon alleine deswegen spannend für mich war, denn ich war am Weg zu Dreharbeiten für Soko Kitzbühel. Was jetzt übrigens am 4./5. April ausgestrahlt wird. Meine Agentin, die ja zu dem Zeitpunkt wusste, dass ich auf dem Weg nach Kitzbühel war, hat mich damals angerufen und meinte: „Markus, sitzt du?“ Ich meinte daraufhin: „Ja, Agnes, ich bin im Zug“ woraufhin sie mich fragte „sitzt du gut?“ Ich darauf: „Ja, noch! Warum?“ und sie: „Markus, du hast die Rolle!“ Das war natürlich in dem Moment so ein Halb-Schrei, weil im Zug kann man ja nicht wirklich ausbrechen.

SCHiCK: Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet? Du musst/darfst ja auch Skifahren.
MARKUS FREISTÄTTER: Ich darf auch Skifahren und ich habe mich lange vorbereitet, viele Gespräche geführt, vor allem mit Erik Schinegger. Wir haben bei den Dreharbeiten auf der Gerlitz in Kärnten einen tollen Skitrainer dabei gehabt, der mir auch Stunden gegeben hat, was das Skifahren auf den originalen Skiern angeht. Und das war natürlich spannend, denn das ist schon ein Unterschied zu den Skiern heute.

SCHiCK: Wie ist denn die Zusammenarbeit mit einer Schauspielgröße wie Cornelius Obonya?
MARKUS FREISTÄTTER: Ich bin wirklich wahnsinnig glücklich über diese wunderbaren Kolleginnen und Kollegen. Dass ich mich mit solchen Größen austoben darf ist unglaublich. Und man lernt wahnsinnig viel. Mit Cornelius Obonya macht das sehr viel Spaß. Wir kannten uns ja schon vom Cop Stories Dreh, wo wir damals nur einen Tag hatten und trotzdem wusste er es sofort. Und jetzt lachen wir viel, wir reden viel. Marianne Sägebrecht ist großartig, eine ganz Liebe. Wir geben uns viel, es ist ein ständiger Prozess. Wir reden auch in den Pausen und somit sind wir immer in der Geschichte, immer im Prozess und das macht es einfach nur toll. Schön, sich kreativ so austoben zu dürfen.

SCHiCK: Theater oder Film? Was gefällt dir besser?
MARKUS FREISTÄTTER: Ganz ehrliche Antwort: beides! Beides hat ganz unterschiedliche Ansätze. Im Theater eine Figur von Anfang bis Ende zu spielen, den ganzen Bogen, ist großartig. Genauso beim Film ist es, und das liebe ich sehr, weil es so spannend ist, nicht chronologisch zu drehen. In der Früh die Erika und am Nachmittag den Erik. Einmal vor der „Richtigstellung“, also der Prozess der Umwandlung wie Erik Schinegger es nennt, und dann danach. Einfach quer einzusteigen, sehr genau zu sein, sehr genau wo ich was berühre, sage. Ganz andere Herangehensweise. Also beides!

SCHiCK: Ich freue mich so sehr für dich, Markus, und wünsche dir noch weiterhin schöne Dreharbeiten.
MARKUS FREISTÄTTER:
Danke dir, ich gebe mein Bestes.

 

 

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