KONZERT

BILLY IDOL – ARENA WIEN

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Billy Idol – Der Triumphzug eines Zeitreisenden

Man muss wirklich hinterfragen, warum man für Forschungen im CERN Unsummen ausgibt, man muss auch die Idee vom Fluxkompensator im Delorian endgültig auf Eis legen, das kann alles zu keinem Ergebnis führen. Denn die Zeitmaschine gibt es schon, sie nennt sich Billy Idol.

Was anfangs wirkte wie eine im Regen zerfließende Wunschvorstellung eines Konzerts, entpuppte sich als Wunder der Wissenschaft. Wie hat es dieser Mann geschafft, eine so unvergessliche Stimmung und ein so unverwechselbares Feeling im Stil der 80er Jahre nach Wien in die Arena zu bringen?

Nun zugegeben, am Beginn des Konzerts standen die Vorzeichen nicht sonderlich gut. Es regnete wie aus Eimern, die warmen Temperaturen der letzten Tage waren passé und kurzfristig erweckte es den Anschein, als hätten einige Fans auf das Ereignis vergessen. Erste Lichtblicke waren der Verzicht auf eine Vorband und der relativ pünktliche Beginn. Die Herren rund um den immerblonden Billy betraten die Stage und alles Negative war vergessen. Der leere Raum vor der Bühne füllte sich mehr und mehr, die Stimmung war sofort ausgelassen im altersmäßig gut durchmischten Publikum und auch leichte Schwierigkeiten mit der Technik konnten die Band nicht aus der Fassung bringen. Einzig die mangelnde Tonqualität von des Sängers Mikrofon trübte das Klangerlebnis. Das gleich am Anfang gespielte „Cradle of Love“ ging daher leider ein wenig unter. Doch schon kurze Zeit später sollte sich alles ändern.

Nach gut 30 Konzertminuten unterhielt der groß aufspielende Steve Stevens mit einem ausgedehnten und perfekt dargebotenen Gitarrensolo das Auditorium, während hinter der Bühne wohl einiges korrigiert wurde. Als die restlichen Mitglieder der Gruppe samt Frontmann nach etwa zehn Minuten die Plattform wieder betraten und „Start Again“ anstimmten, fand tatsächlich ein triumphaler Neustart statt. Musikalisch gab es nichts mehr zu meckern. Der größte Hit „Rebel Yell“ wurde derart perfekt dargeboten, dass er wohl so schnell nicht mehr aus dem Gedächtnis der Anwesenden verschwinden wird, einfach großartig. Aber was war die eigentliche Besonderheit dieses Konzerts? Es war diese simple, bescheidene und dennoch coole sowie perfekt arrangierte Show. Billy Idol weiß einfach noch immer, was die Fans von ihm sehen und hören wollen. Es brauchte keine überladene Bühnenshow mit Feuer, Laser und halbnackten Frauen. Sein Gesang, seine Mimik, seine Gestik und sein ungebrochener Elan, gepaart mit der energiegeladenen Performance seiner Band, allen voran der Edelgitarrist Steve Stevens, waren mehr als ausreichend, um das Konzert zu vergolden und die Fans auf eine Zeitreise zurück in die 80er zu schicken. Der bald 60-jährige Herr aus London hat den einmaligen Charme und Zeitgeist dieses Jahrzehnts sowohl für die Ohren als auch für die Augen perfekt wiedergegeben und dafür gesorgt, dass sich so mancher Fan einige Jahrzehnte jünger fühlte. Viele große Bands aus dieser Generation scheitern an der oft überzogenen Erwartungshaltung und an dem Versuch, diese zu erfüllen, nicht so Billy Idol, er tat, was er konnte, und das konnte er wirklich gut.

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