KONZERT

Die Füchse von der Elbe bringen das Gasometer zum Beben

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Der Gasometer bebt und die ganze Masse schwingt im Bass. Jan, Dennis und DJ Mad, die Alt-Füchse des deutschen Hip Hop, bescheren dem Wiener Publikum einen unvergesslichen Abend.

Vor dem alten, riesigen Gebäude aus dem Jahr 1896 in Simmering drängen sich die Massen, und man spürt die freudige Erwartung, die die Luft vibrieren lässt. Das letzte Mal 2004, und jetzt sind sie wieder da, die Chefstyler, die Top-Liner vom Kiez, die Veteranen von der Reeperbahn mit insgesamt „nur“ vier Alben im Gepäck, von denen allerdings jedes Einzelne ein absoluter Kracher ist und Hip Hop-Geschichte geschrieben hat. Man drückt sich durch die Meute zum T-Shirt-Stand, und wen sieht man da? Nein, halt, Moment mal, da steht doch nicht etwa Torch, der „King of the first German Chapter of the Zulu Nation“(der Titel, den ihm 1985 Afrika Bambaataa verliehen hat), die lebende Legende aus Heidelberg und Urvater des deutschen Hip Hop, der 1987 die Band „Advanced Chemistry“ gegründet hat.

Ja genau, ihr schlauen Leude, der Titel des letzten Beginner-Albums. Steht der Torch da nur so rum oder kommt da noch was? Mal sehn…Der Saal ist brechend voll und das Publikum eher älteren Semesters, anscheinend müssen die kleinen Hip Hop-Kids zu Hause bleiben. Ein Fakt, der mich jetzt nicht allzu sehr stört. Der Anheizer und Publikums-Aufwärmer heißt Megaloh, der deutsche Rapper niederländisch-nigerianischer Abstammung aus Berlin-Moabit, der auch auf „Advanced Chemistry“ vertreten ist. Seine Rhymes und Beats lassen Großes erwarten.

Und dann, der Saal wird dunkel und ein Schiffshorn bläst. „Was los Digga Ahnma“; Jawohl, da stehen sie, Eizi Eiz, Denyo und DJ Mad. Gentleman und Gzuz kommen vom Band und der Saal tobt. Weiter geht’s mit einem Potpourri aus den besten Nummern der Hanse-Götter. Was nicht schwer fällt, denn es gibt nur Gute auf deren Alben. Für jeden alles dabei, von Rap und Hip Hop über Soul und Funk bis hin zu Reggae und Ragga. Besonders bei Songs von „Bambule“ wie „Füchse“ oder „Rock On“ tobt die Meute, die Hände wippen im Bass und die Klamotten kleben am Körper. Und dann, die Vorahnung bestätigt sich, da steht er, Torch mitten unter den Beginnern und peitscht die Menge auf Old School endgültig zur Ekstase.

Bevor ich nach diesem fast zwei-stündigen Festival des guten Geschmacks mit Endorphinen geladen und überglücklich gen Heimat wanke, treibt es mir noch bei „City Blues“, nach vierzehn-jährigem Leben in Hamburg, ordentlich Pipi in die Augen. Danke Beginner, dass es euch gibt und ihr die Latte immer wieder so hoch steckt in dieser, zum Teil trostlosen, Welt des deutschen Hip Hop.

 

Die Donaumetropole möchte euch bald wieder sehen! Bis dahin ein fettes „Moin Moin“ an die zweitschönste Stadt der Welt, den Kiez, die Musik und an die Flora! Rock On!

 www.beginner.de

 

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