KULTUR

DIE ZWEITE PREMIERE AM THEATER IN DER JOSEFSTADT

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„Fräulein Julie“ am Theater in der Josefstadt

Wer an klassischem, geradlinigem Theater interessiert ist, der sollte besser nicht in die Inszenierung von Anna Bergmann am Theater in der Josefstadt gehen.
Ein Theaterstück, das die Meinungen seines Publikums in extrem unterschiedliche Richtungen driften lässt.

Der Vorhang hebt sich. Man sieht eine Küche, welche in einen  Quader gesetzt wurde. Die Szenerie wird mit kaltem, diffusem Licht ausgeleuchtet. Es ergibt sich ein visueller Einduck, der die Stummfilmzeit mit Szenen aus Filmen wie „The Ring“ oder klassischen „Madhouse Horror Movies“ in sich vereinigt. Ein genau auf den Punkt passendes Bühnenbild von Katharina Faltner. Den Anfang des Stückes lässt die junge deutsche Regisseurin Anna Bergmann auch als 30er Jahre-Stummfilm über die Bühne gehen. Die genauen, leicht überzeichneten Gesten der Akteure werden vom Text in Übertiteln begleitet. Ein gut wirkendes Stilmittel, das dann doch ein wenig zu lange dauert.

Spätestens beim Auftritt von Fräulein Julie (Sona MacDonald) ist die häusliche Rollenverteilung klar.

Das Fräulein wirkt wie eine Vampirbaronesse, die durch die Qualen des ewigen Lebens gezeichnet ist (großartige Kostüme von Lane Schäfer). Ihr einzig wirklich Vertrauter ist ein singender Vogel, eine Mischung aus Rabe und Geier (imposante Erscheinung des Sängers Jan Plewka).
Nachdem Julie Jean (Florian Teichtmeister) und seine angedachte Frau Kristine (Bea Brocks, trifft genau die Verzweiflung und Not dieser Figur) in flagranti am Küchentisch erwischt, zwingt sie den Diener, ihre Stiefel zu lecken.

Die von Strindberg ursprüngliche, durch Klassenunterschiede entstandene Machtausübung Julies wird so in weiterer Folge als sadomasochistische Dominanz adaptiert.
Die Sätze und Gefühlsregungen eines Florian Teichtmeister  fallen leider immer wieder der Zitat- und Effektregie zum Opfer. In solchen Momenten vermisst man den Schauspieler und realen Menschen, der gerade und wahrhaftig dem Partner und dem Publikum seine Gefühle offenbart.

Die Besetzung der Rolle des Fräuleins Julie, die im Original 25 Jahre alt ist, mit Sona MacDonald, als endlos erfahrenen, selbstzerstörerischen, männerfressenden Vamp, die ihrem Leid und Selbsthass damit Ausdruck verleiht, indem sie sich Wörter, die ihren Gemütszustand beschreiben, in den Leib ritzt, hilft einem durch diese extreme Überzeichnung, in der heutigen Zeit die Probleme des Originals zu spüren und zu verstehen. Oder man liest das Stück. Auch in der Liebesnacht wird gerne mal Fangen gespielt und zu einer Indie-Metal Nummer, von der plötzlich zum Mädchen gewordenen Julie auf einer Schaukel, geheadbangt. Jeans befohlene Enthaltsamkeit wird dann mal mit Oralverkehr belohnt, um ihn dann in weiterer Folge doch mit gespreizten Beinen zu erwarten. Währenddessen werden in dem drehbaren Küchenkubus von Kristine sämtliche Teller akribisch aufgereiht und mit den Hacken am Boden zertreten. Ein metaphorischer Scherbenberg, der das Ende erahnen lässt.

Der Entschluss, eine gemeinsame Zukunft zu erzwingen, wird gefasst und die Vision Jeans, in der Schweiz ein Hotel zu eröffnen, geteilt. Die an Wahnsinn grenzende, euphorische Julie versucht sogar, Kristine zu überzeugen, mit ihnen mitzukommen.
Bei dem Streit der Liebenden lässt der Diener den körperlich gewalttätigen Proleten heraus. Da können in einer zeitgemäßen Inszenierung schon mal Aussprüche wie „Du alte Votze“ fallen. Julie stürzt sich aus Verzweiflung in eine One-Woman-Party und schmettert zu rockigen Gitarrenriffs einen Metal-Song.

Nach jedem Streit kommt meistens eine Versöhnung. So auch bei Jean und Julie. Man beschließt zu fliehen. Als kurzes Intermezzo wird dann noch von Kristine symbolisch der Schmutz von Jeans Körper gewaschen. Der feuchte Schwamm kommt überall hin und verweilt an einer gewissen Stelle besonders lange, um die Arbeit auch gründlich zu erledigen. Dann kann die Reise losgehen. Doch Jean hat die Rechnung ohne den Vogel gemacht, den Julie in einem überdimensionierten Käfig hinter sich herzieht.
Kurzerhand hackt der entschlossene Mann den Kopf des Tieres ab. Problem erledigt.

Die wohl bekanntesten Sätze Julies in dem schwedischen Drama: „Sie glauben wohl, ich könne kein Blut sehen? Bilden Sie sich ein, ich sei so schwach… Ich würde gerne dein Blut sehen, dein Hirn auf einem Holzklotz. Ich würde gerne dein ganzes Geschlecht in einem See von Blut schwimmen sehen. Dein Hirn aus einer Schale trinken, etc.“, werden sogleich von der Frau in die Tat umgesetzt. Mit dem Küchenbeil werden dem überraschten Diener ein oder mehrere Finger abgehackt. Das überraschende Ende naht.

Vollkommen anders als im Original vergiftet Kristine Jean und er geht, in einer Lacke aus Blut und Erbrochenem, elendiglich zu Grunde.Am Ende wird wieder ein wenig geritzt, von Julie noch ein schönes Liedchen geträllert und der Vorhang fällt. Die wunderbarsten Momente sind die, in denen Florian Teichtmeister aus dem Regiekäfig ausbrechen und seine schauspielerischen Qualitäten ausspielen kann. Sona MacDonald wird das optimale Parkett für ihr Allround-Talent geboten. Egal, ob Überzeichnung, sanfte Gefühlsausbrüche oder rauchig kreischende Metal-Sängerin. Die Frau meistert jede Herausforderung und könnte die eineinhalb Stunden auch alleine auf der Bühne stehen. Ein Einruck, der in mancher Zweier-Protagonisten-Szene entsteht.

Die Regisseurin Anna Bergmann schafft es allerdings mit ihrem Theaterprojekt „Fräulein Julie“, die verschrobene und zum Teil sehr radikale Weltanschauung von August Strindberg mit einer immer wieder zum Teil penetranten Skurrilität in die heutige Zeit umzusetzen, wenn auch die Schauspieler dabei auf der Strecke bleiben. In den Vorankündigungen hätte auch stehen können: „Fräulein Julie“ nach August Strindberg in einer Fassung von Anna Bergmann – Uraufführung.

 

Das Theater in der Josefstadt ist auf jeden Fall mit dieser Inszenierung über seinen Schatten gesprungen und Intendant Herbert Föttinger kann sich über einen Theaterabend freuen, der in Wien nachhaltig in aller Munde sein sollte.

 

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