COBYN

KOLUMNE: „DONAUINSELFEST 2015“

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Wenn Männer zu Tieren mutieren und sich einen Platz im Busch suchen, um zu urinieren, wenn Frauen, die auch urinieren wollen, zwanzig Minuten vor einem Häusl Aufstellung nehmen, um ihrem Drang ebenfalls nachzugeben, ja dann ist das Wiener Donauinselfest, Nr. 32, von Freitag bis Sonntag, drei schöne Tage im Juni 2015.

Die größte gratis Open-Air-Veranstaltung der Welt, etwa eine Million Menschen pro Tag, diese Menge in Urin umgerechnet, nun eine Zahl, die sich jeder selbst ausrechnen kann. Zum Fest gehört nicht nur Musik, sondern jede Menge Alkohol, dieser besteht hauptsächlich aus Wasser, und dieses muss irgendwann ins Gebüsch oder brav in eine aufgestellte Toilette, mit langer Wartezeit.

Von diesen Millionen Menschen sind ca. 700.00 besoffen, einer von ihnen so stark, dass er versucht hat, ein Polizeimotorrad anzuzünden, dumme Idee, er wurde verhaftet.

Die Hauptbühne hat nun ein österreichischer Hitradiosender für sich in Anspruch genommen, also tummeln sich auf dieser auch fast nur Hitparadenstürmer. Peter Rapp hat früher kurz und knapp die nächste Band angesagt. Heute machen das zwei Radiomoderatoren, aus einer Ansage wird ein Warm-up. „Wo sind die Tiroler, Put Your Hands In The Air – Jubel – wo sind die Oberösterreicher – Jubel -, wo sind die Steirer, usw.“

Zum Glück hat Österreich nur neun Bundesländer, man stelle sich vor, wir wären in den USA und jeder Bundesstaat wird aufgerufen, um zu jubeln und die Hände in die Höhe zu nehmen.

Andreas Bourani

Andreas Bourani oder Anastacia müssten erst gegen zwei Uhr morgens auftreten. Während des Bühnenumbaus fiel den Moderatoren noch was anderes Lustiges ein, sie forderten die Menge auf, in die Knie zu gehen oder sich zu bücken, das erinnerte mich an die legendäre Ilse Buck, die vor vielen Jahren für den selben Sender gearbeitet hat. Nur sie wollte die Österreicher fitter machen, jeden Morgen. Nun, wie wär`s mit einem Purzelbaum? 50.000 Besoffene würden am Boden liegen.

„Wo sind die Burgenländer?“, fragte der Hörfunkmitarbeiter weiter – Jubel, aber Kniebeugen nein. Die beiden Moderatoren hätten auch Geschichten von Wilhelm Busch zum Besten geben können, oder das kleine Einmaleins, die Menge hätte gejubelt, garantiert. Die knappen Worte von Peter Rapp damals waren mir lieber. Der ganze Nonsens erinnerte mich an Animateure eines All Inclusive Resorts in Hurghada. Aber man muss ja nicht immer die Hände in die Höhe „puten“, wenn es jemand verlangt.

Nun, das Donauinselfest bot nicht nur Bühne für Christine Stürmer, The Makemakes, Madcon, Ronny W. & die Mir geht’s guat Kombo (ja, die traten wirklich auf), auch Nazar, ein rappender Perser aus Favoriten begeisterte mit seinem neuen Song „Zwischen Zeit & Raum“. Der kluge Mann lässt hier Falco mitsingen, fantastisch. Nur diesmal waren keine Blutkonserven nötig wie 1993 bei Falcos legendärem Regenkonzert auf der Insel. Bekanntlich ist ja Herr Hölzl von einem Bus zerquetscht worden und ruht nun am Wiener Zentralfriedhof, aber damals, bei seinem Auftritt mit frischem Blut, sagte er: „Wir sehen uns, verlasst euch drauf“. Nun, sehen konnte man ihn nicht, aber hören.

Stars, die gab es viele, Robin Schulz wollte nicht mit mir sprechen, er hatte halt nichts zu sagen, egal. Zum Ausklang am Sonntag, Fritz Kalkbrenner, Musik vom Feinsten, er hätte noch viel mehr Musik im Gepäck, alleine die Zeit war das Problem. Ach ja, OPUS spielten auch, wie viele andere.

Manfred Cobyn

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