COBYN

KOLUMNE: Premiere, Kino, Film

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Premiere „Blockbuster – Das Leben ist ein Film“

Viel Presse, einige Schauspieler, manche Verlorene wie ich. Scheint so, als ob sich viele kennen. Eine schwüle Stimmung liegt in der Luft. Chaos bei der Kartenausgabe. Nur eine hat Ahnung. Das „Who is Who“ der alternativen Filmszene. Eigenartigste Gestalten zwischen Rock, Gothik, Trash, Metal und unästhetischen Eigenkreationen.

Eine Zusammenkunft von Verzweiflung, Elend, Alkoholismus und Selbstüberschätzung. Selbstdarstellung pur ohne jegliche reale Übereinstimmung. Yeah, es lebe die perverse Bohème von unter der Brücke. Apropos: warum hat mich noch niemand um Koks angesprochen oder mir eine Rolle angeboten? Fühl mich ungerechtfertigterweise unbeachtet – aber stimmt ja. Da ist nur Platz für Bohemians. Mit durchaus beleidigten Augen (wegen der vielen hässlichen und schlecht gekleideten Menschen) und einem gekränkten Ego hab ich mich in den Film gesetzt. Hoffe, ich überleb das, ohne weinen zu müssen. Ohne meine Kollegin muss ich mich der ganzen Prozedur aussetzen und verfluche innerlich meine Standfestigkeit und meine masochistische und latente Wehrlosigkeit, die mir schon vor Jahren von Ilse Aichinger prognostiziert worden ist. Verdammt, da muss ich jetzt durch! Ich lenk mich mal ab und suche eine schöne Frau zum Anschauen, damit ich mich ein bissl besser fühle.

Das Leben ist kein Film. Es ist manchmal ein Albtraum. Und jetzt kommt sicher noch eine Vorstellung der Künstler und der Produzenten. Aber das Lachssandwich um 4.20€ in der Schottentorpassage hat geschmeckt. Und jetzt sitze ich hier rum und rieche nach Fisch und Dille. So würde ich den Geschmack des Filmes bezeichnen.

Los gehts! Krebs ist das Thema – wie schlimm kann das noch werden? Der Moderator drückt mit persönlichem Leid auf die Drüse. Bin ich ein Arschloch? Bin ich böse, frustriert? Frenetischer Applaus. Der Film beginnt. Alle lachen -was stimmt nur nicht mit mir? Vielleicht sollte ich wieder mal meinen Serotonin-Level heben.

Vlado beginnt. Wir sind nur Menschen und haben Fehler. Endlich mal eine Ansage! Sie haben trotz aller Hindernisse diesen Film gedreht und die Schauspieler werden erst nach dem Film vorgestellt – wenigstens etwas. Viel Troubles wegen Kohle. Alle Leute sind gut drauf. „Ihr Mittelmäßigen, eure Selbstzufriedenheit ist meine Atemlosigkeit.“ Das hab ich mal auf der Wand im Gefängnis gelesen.

Lustiger und positiver Film. Genau nix für mich. „In der Kunst werden die schönsten Tore im Abseits geschossen.“

Kein Traum, kein Ziel. Hodenkrebs. Linkes Ei entfernen. Er plärrt und plärrt. Und ich denk mir: „Mann, ertrage es mit Würde!“ Chemotherapie – na super! Werd ich nie machen. Hat bei meinem Vater nix genützt. Blasenkrebs, 6 Monate später Mortus est. Jetzt Melancholie und ein Entschluss ist gefasst. Ich dreh einen Film. Ein Film für Filmschaffende über das Filmschaffen. Könnte lustig sein. Hahaha – flache Witze. Jetzt ist sie auch noch schwanger. Und sie freuen sich wie wahnsinnig. Kein Gedanke an Abtreibung. Nicht wie in der Realität. Ich fühl mich komisch, muss mich daran erinnern, dass meine Exfreundin, ohne nach meiner Meinung zu fragen, mit den Worten „Ich bin noch nicht bereit“ unser Kind abgetrieben hat. Ich bin 42 Jahre alt. Ich bin doppelt so bereit gewesen. Da hätte ich sie nicht mal gebraucht. Ich wollte das Kind, auch ohne sie. Leider hatte ich keine Wahl gehabt. Wenn dieser Film das Leben ist, was ist dann mein Leben? Ein Horror-Porno ?
Weiter geht’s! Banale Witze, flache Story und alle lachen. Uhhh – jetzt wird´s interessant. Frühchen. Schlechte Chancen. “ LKW prallt mit einem Motorrad zusammen.“  So war die Geburt des kleinen David.

Der Sohn meines Bruders ist auch zwei Wochen zu früh gekommen. Voll pumperlgesund. Scheiße. Jetzt tut es mir schon leid. Er ist so ein schlechter Schauspieler. Bringt es nicht rüber. Ich spür nix. Und es wird immer schlechter mit dem armen David. Infektion und Tod. Wieder Melancholie. Aber sie halten zusammen und Händchen. Er lenkt sich mit einem neuen Film ab. Und sie ist schon wieder schwanger. Yeah, ruckzuck! Was stimmt nur nicht mit mir? Jetzt lacht der Saal. Weil er sich Zitronen auf die Augen drückt. Wie bitte? Jetzt riech ich sogar noch, dass meine Schuhe stinken.

Ein neuer Film über einen Typen, dessen Leben aus dem Ruder läuft und er alles verliert. Mal was Neues! Die Rolle könnt ich authentisch spielen. Ich sollt mein Leben als Serie verfilmen. Mir ist das zu banal, ich muss jetzt abschalten, mag gar nicht mehr zuschauen. Ich tu mir grad selber sehr leid! Halbe Stunde noch. Wenigstens eine lustige Szene – Lucky Losers. Da hat jemand einen Film um des Filmes Willen gedreht. Auf jeden Fall massentauglich, werden viele Menschen Freude dran haben.

Fazit: Jeder hat sein Leben selbst in der Hand. Es kommt drauf an, was man daraus macht. Gähn – tobender, tosender minutenlanger Applaus. Irritierend wie das Leben. So viel Spannung, dass es einen fast zerreißt! Ich muss hier so schnell wie möglich weg. Im Maxim ist eine erotische Ausstellung von Andrew Stix mit der Wahl zur schönsten Hure Wiens. Fuck, da geh ich jetzt mal hin.

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