FOTO

FOTOS FÜR DIE HALBE EWIGKEIT, ODER FÜR DIE TONNE

Von  | 

Für Fotografen und jene, die es gerne werden möchten, gibt es ein Wiener Fotografen-Forum. Die Idee ist ganz nett, die Wahrheit sieht aber etwas anders aus

 

Werbung, von der Redaktion empfohlen!

 

 

Helmut Sulzberger, genannt „Sulzi“, hat eine glorreiche Idee aus Deutschland importiert. Er gibt Hobbyfotografen eine Plattform, auf der man seine fotografischen Werke präsentieren kann. „Du fotografierst, bist Model oder Visagist oder interessierst dich für Themen rund um die Fotografie?“, steht auf der Startseite von www.fotografie.at ,in großen Lettern geschrieben.

 

Andreas Reschounig

© Andreas Reschounig

Eine kostenlose Anmeldung ist auch gleich erledigt, man kann sich für eine „lebenslange“ Gratis- oder eine kostenpflichtige Variante entscheiden. € 50,– kostet das im Jahr, von „lebenslang“ ist keine Rede mehr, wäre auch ein sittenwidriger Vertrag. Ich habe mich natürlich für kostenlos entschieden.

Manfred Cobyn

© Manfred Cobyn

Meine Fotos sind gar nicht so schlecht, und meine Klick-Zahlen dort können sich sehen lassen. Am Anfang, als ich mir meinen rechten Knöchel bei einem Unfall zertrümmerte, hatte ich viel Zeit. Ich schrieb unter die dort gezeigten Bilder  m e i n e  Meinung, was mir sofort übel genommen wurde. Fast niemand möchte die Wahrheit unter seinen Werken lesen. Ihnen genügt ein „toll gemacht“, oder „gut gesehen“, mehr wollen sie nicht lesen, obwohl die Fotos weder gut gemacht wurden, noch der Urheber ein Auge für Fotografie hat. Das gilt natürlich auch für die gezeigten Urlaubsbilder, die an schlecht gemachte, billige Ansichtskarten erinnern.

Julian Rad

© Julian Rad

Mit der Zeit verstand ich das und widmete mich nur noch Usern, die sich in ihrem Profil Fotograf nannten. Da gibt es tatsächlich eine Menge, die vom Sozialhilfeempfänger, Postler, Versicherungsvertreter, usw. umgesattelt haben und sich nun Fotograf nennen. Natürlich ahnungslos. Sie bieten Hochzeitsfotografie und Portraits an,  geben sogar Workshops, also ihre Ahnungslosigkeit an zahlende Hobbyfotografen weiter.

fotografie.at

© fotografie.at /Screenshot – Einfach schrecklich was dieser „Fotograf“ produziert und er nennt sich „Kunstbilder“. Natürlich ignoriert er mich, da ich ihm klargemacht habe, dass Kunst wohl was anderes ist

 

Es gibt einen gewissen Morgen R., der sich in mühsamer Arbeit ein Heer an Buddies angeschafft hat. Wenn man viel Zeit mitbringt, geht es ganz einfach, man muss nur bei jedem x-beliebigen Buntbild vor Begeisterung ausflippen und natürlich  n u r  positive Kommentare abgeben. Die Arbeit macht sich bezahlt, und als Belohnung gibt es völlig überzogene, falsche Lobhudelei für jedes noch so sinnlose Bildchen, das Her Morgen R. veröffentlicht.

© foto-austria.eu

© foto-austria.eu

 

Das ist das Geheimnis, ich lecke dich und du leckst mich, funktioniert auch bei Facebook & Co. so. Ein virtueller Knopfdruck reicht und schon ist man dabei und mitten drin.

Fotografen, oder solche, die es gerne sein würden, dulden keine schlechten Kritiken. Da kann es schon vorkommen, dass der schwerst Beleidigte und vor Wut Schäumende sich über jedes Bild des verdammten Kritikers hermacht und seine Flatulenzen hinterlässt, die nach Dummheit stinken. Zeigt das keine Wirkung, steht praktischerweise ein Ignore-Knopferl zur Verfügung. Ist mir schon oft passiert, da ich immer meine Meinung zu den Fotos schreibe und mich nicht an dem Geschwafel der Kunstkenner, also „Freunde“ des vermeintlichen Künstlers, beteilige. Ein Foto wird nicht besser, wenn man „toll gemacht“ darunter schreibt, obwohl es für die Tonne ist.

© Alex Neumayer

© Alex Neumayer

Deshalb wurde ich mit der Zeit von vielen ignoriert, da es wirklich viele belanglose Bilder gibt. Dennoch schreiben meine Ignoranten immer eine kleine Gemeinheit unter meine Kunst, allerdings ohne Sinn und Verstand. Ich lasse sie gewähren, vielleicht fühlen sie sich dann irgendwie befriedigt, und ich finde ich es auch sehr witzig. Menschen vertragen keine berechtigte Kritik.

Mit der Zeit erkennt man die Psyche der Fotografen. Ganz beliebt sind Fotos von Nackerpatzln, ein „Model“ kauert in Strapsen gelangweilt lächelnd vor der Kamera, und je mehr nackte Haut man sieht, umso mehr gerät die Foto-Community in Verzückung. Da ist es egal, ob das Model so aussieht, als hätte sie gerade eine 8-Stunden-Schicht in der Wurstabteilung eines Supermarktes hinter sich. Da stört auch die vollkommen stümperhafte Belichtung nicht. Ich habe den Eindruck, dass Onan bei vielen Foto-Werken eine große Rolle spielt, obwohl er gar nicht Mitglied ist.

© haggiAustria

© haggiAustria

Aber, es ist  für jede Geschmacksrichtung gesorgt, zu sehen gibt es auch faszinierende Tierfotografie, die man ansonsten nur aus „Universum“ vom ORF 2 kennt. Tiere fotografieren setzt viel Ausdauer, Glück und natürlich auch Kenntnis der Technik voraus. Das ist wirklich harte Arbeit. Leider werden diese phantastischen Aufnahmen als plumpe Naturknipserei abgewertet, obwohl die Tiere nackt sind. Es gibt viele sehr gute Fotos dort zu entdecken von Akt, Street, bis zur Kunstfotografie. Man muss einfach in der Galerie blättern und wird fündig, garantiert.

Wie viele aktive Mitglieder es bei fotografie.at tatsächlich gibt, ist ein gut gehütetes Geheimnis, und der Chef von dort möchte nicht mit der Wahrheit herausrücken. Die Mehrheit grundelt sicher als Karteileiche daher, aber das ist meine subjektive Wahrnehmung und eher wurscht.

Thomas Csaszar

© Thomas Csaszar

 

Wer also gerne fotografiert und sich eine dicke Haut aneignet, kann seine Fotos gerne dort veröffentlichen. Einzige Voraussetzung ist halt leider die Arschkriecherei, die ist unumgänglich, um Klicks zu generieren, aber sowas lernt man im Nu, ist ja bei sozialen Medien nicht anders.

Die Seite ist im Großen und Ganzen genial und kann sie nur empfehlen. Doch nun empfehle ich mich.

 

www.fotografie.at

 

Please follow and like us:
Twitter
Visit Us
Follow Me
PINTEREST
Instagram
YouTube
YouTube

You must be logged in to post a comment Login

Gib deinen Senf ab!

Vielen Dank für Dein Sharing!