KOLUMNE

Gefährdete Liebschaften

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Die Liebe. Glaube ich daran oder nicht? Ach, ich weiß es nicht.

Wir behaupten, die Medien hätten unser Bild von der Leidenschaft verpeilt, und dass diese uns unrealistische Ideale vorleben. Allerdings sind es doch wir, die diese Bilder erschaffen und streuen, wieso sollten diese dann nicht machbar sein? Es sind Leitbilder, die darauf warten, nachgeahmt zu werden. Wer also das Rezept einer Kürbissuppe ändert und statt dem Kürbis eine Melanzani nimmt, muss im Endeffekt diese Entscheidung alleine auslöffeln. Dann wiederum erlaubt uns unsere Imagination, sich vorzustellen, man könnte fliegen. Darum frage ich mich: Wie real ist die Liebe eigentlich?

Ich hatte mal einen lässigen und älteren Wirtschaftslehrer, der uns die Liebe erklären wollte. Er hat behauptet, dass die körperliche Nähe die Basis sei. Sowie, anders als beteuert, nicht die Gemeinsamkeiten voranbringen – vielmehr das gegenseitige Ausschöpfen. Im Sinne von: ein Spiegelbild zeigt dir nie mehr als deine eigenen Bewegungen. Das hat mich immer sehr fasziniert und mir die Angst vor möglicher Monotonie genommen. Ein weiteres Mal hat selbiger Herr uns Damen auch geraten, stets zweigleisig zu fahren. Diese Vorstellung allerdings konnte sich bis heute nicht mit meiner altmodischen und romantischen Ader vereinbaren.

I <3 ROMANCE

Ich muss mich mal g’schwind outen: jaaa, ich bin romantisch. Ich halte jeden lyrischen Moment ganz fest, wie ein Hund seinen Knochen. Kiefel ihn ab und genieße jeden magischen Nachgeschmack, mein schauspielerisches Talent hilft indes, filmreife Szenen abzuliefern. Natürlich stellt sich hierbei dann oft die Frage meinerseits, ob das dann auch alles echt ist. Aber die Inszenierung und das Gefühl, das daraus geboren wird, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Frau gibt sich einfach Mühe, und die Verherrlichung dieser Affären ist (leider) ein guter Filter für anfängliche Mankos. Gewiss hat auch meine amouröse Seite einen absoluten Gegner, dieser hört zufällig auch auf meinen Namen. Da ich den Herzensangelegenheiten sehr großen Respekt entgegenbringe, bestimmt der stetige Selbsttadel einen großen Teil in meinen Beziehungsweisen. Der pseudointellektuelle Gangster in mir kreiert Selektionen ohne Ende. Ich bin also das Dornröschen samt der Dornenhecke. Yay!

Zumal meine eigenen Erfahrungen obsolet sind, kann ich meine Schlüsse nur aus jahrelangen Observierungen ziehen. Ergo: ich muss keine Säure saufen, um zu wissen, dass sie mich vernichten würde. Betrachte ich also die haptischen Liebschaften meiner Nächsten, frage ich mich stets: ist dies (m)ein Ziel?

Ich habe oft das Gefühl, dass Liierte kooperativ verweilen, weil sie müßig sind. Zu träge, um sich selbst gegenüber zu treten. Die Sehnsucht ist dabei ein wichtiger Indikator. Findet sie in einer Zweisamkeit statt, ist diese folglich einfach nicht die Richtige. Meiner Meinung nach ist es sogar etwas fahrlässig, in der besagten Verpartnerung noch und nöcher zu verharren. Es ist schlichtweg unaufrichtig. In meinem Kopf wende ich alleweil eine einfache Formel an: die Liebe stillt die Sehnsucht. Wer das Konzept dieser Übung nimmt und wahllos anwendet, darf sich nicht wundern, dass er wahllos endet. Geh erst mal mit dir selbst fix ’zam. Das Ausfechten dieser Misere kann dann nämlich dazu beitragen, dass Zweifel, die normalerweise erst in der Angelegenheit auftauchen, zu Auswahlkriterien werden können. Bevor etwas angerichtet wird, weil irgendwann muss jeder Ego-Trip(per) sein Ende haben. Just sayin’!

Dass „Verliebt-Sein“ rauschähnliche Zustände auslöst, ist für diese suchtoptimierte Generation zu einem Verhängnis geworden. Wir schmeißen uns alle die ganze Materie vollgas rein und wundern uns, warum fährt die Liebe nicht mehr ein. Die „verliebt in das Verliebtsein“-Lieblinge machen es  dementsprechend vor und gönnen sich nach kurzer Zeit eine neue Sorte der Dosis. Dabei fängt für mich dort die Neugier an, wo erst alle runterkommen. Nüchtern und ganz klar, wenn jede Show schon abgelutscht ist und man erst jetzt beginnt, einander wirklich zu erkennen, ohne Filter. Spannung pur, oida! Wer sich also wundern mag, wo und wann die vermeintliche Zuneigung bei einer Kollision von (Un)willigen eigentlich ihren Ursprung hat: na, vielleicht am Morgen danach?

Liebe, whatever. So sind wir also, lieber verzweifelt im Kollektiv als zweifellos alleine. Oder, egal ob einsam oder zweisam – Sam kommt immer darin vor.

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