KULTUR

La Traviata – Das Opfer der Gesellschaft

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Am 27. September ging die erfolgreiche Premiere der modernen Inszenierung von La Traviata, in einem Verdi- und Eggert-Remix, in der Wiener Kammeroper locker-flockig über die Bühne. Das junge Ensemble begeisterte Kenner und Nicht-Kenner  jeder Altersklasse und erntete wohlverdiente Standing Ovations. SCHiCK hat sich das Meisterwerk vor allen anderen zu Gemüte geführt. 

Wir schreiben das Jahr 2016, es sind über 163 Jahre seit der Uraufführung des Verdi-Klassikers in Venedig vergangen. Damals als „totales Fiasko“ vom Opern-Schöpfer betitelt, gilt Alexandre Dumas‘ Geschichte wohl zu einer der meist gesehenen, bekannten und veränderten Stücke der Welt. Schon damals gingen Verdis Visionen  in Richtung einer modernen, zeitgenössischen und gesellschaftskritischen Inszenierung mit für jene Zeit unüblichen Künstlern.
Ein Sprichwort besagt: „Lerne immer Neues, aber vergiss das Bewährte nicht“. Diesen Spruch haben sich die zwei Innovations-Künstler Moritz Eggert und Lotte de Beer in diesem Fall wohl sehr zu Herzen genommen. Das Ergebnis ist ein moderner Klassiker, der die Hektik der Gegenwart dazu nutzt, um dem Publikum die wesentliche Essenz der Darstellung nahe zu bringen. Die gekürzte Strichfassung mit den wichtigsten Szenen lässt das Publikum bis zur letzten Sekunde gebannt auf die Bühne blicken. Dj-Passagen, E-Gitarre oder Keyboards sind genauso Bestandteil der Neu-Orchestrierung des Komponisten Jacopo Salvatori unter der musikalischen Leitung von Kalle Kuusava, wie die typischen Kammermusik-Instrumente. Neue Harmonien, gepaart mit den bekannten Gesangseinlagen, auf italienisch – mit Untertitel, sind genau die Veränderungen, die die Ohren aufhorchen lassen.
Damit nicht genug wird das Thema des „freiwillig gläsernen Menschen“ aufgegriffen und löst bei dem einen oder anderen Zuschauer ein Schmunzeln  aus. Auch die Ausstattung und die Lichteinsätze von Clement & Sanôu sind ein Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Zusätzlich ist die um eine Stunde kürzere Version leichter für Personen, die als Begleitperson in die Oper geschleppt werden, zu ertragen und könnte jene sogar in richtige Opernliebhaber verwandeln.
Bevor irgendein Akteur die Bühne betritt, wird auf der großen, modernen Leinwand ein Chatverlauf gezeigt. Über dem Bildschirm fliegen bunte Luftballons und vermitteln eine eher kindliche und unschuldige Atmosphäre. A: Habt Ihr mich vermisst? B: Ich brauchte eine Auszeit. A: (nach einigen Schreibversuchen) Mir ging es nicht gut… A: Was dich nicht umbringt, macht dich stark,…

Den ersten Akt macht ein berauschendes Fest, auf dem die in rot gekleidete Violetta Valery (Frederikke Kampmann), Douphol (Florian Köffler) und Flora (Anna Marshaniya) betrunken und ausgelassen feiern und dieses auf Instagram und anderen Social Media Seiten öffentlich dokumentieren. Douphal stellt Violetta den eher schüchternen Alfredo Germont (Julian Henao Gonzalez) vor und behauptet, sie bedeute dem Neuling viel. Selfies machen und Partyvideos drehen sind jedoch das Hauptaugenmerk der drei jungen Leute. Bei den Worten “Lasst uns die Gläser heben“ fällt Violetta um und macht die Bühne frei für die nächste Szene.
Alfredo, der sich unsterblich in das hübsche Partygirl und Kurtisanin verliebt hat, offenbart ihr hier seine tiefsten Gefühle für sie: „Ich liebe dich, seitdem ich dich zum ersten Mal gesehen habe“. Es beginnt ein großartiges Duett der jungen Sopranistin und des Tenors, in dem sie gegen ihre eigenen Wünsche nach Liebe und Geborgenheit ankämpft, da sie doch dem öffentlichen Partyleben mit Drogen, Musik und Alkohol und ihrer heimlichen und tödlichen Krankheit vollkommen ausgeliefert ist. Ein kleiner „Twilight Moment“ eröffnet sich, als Alfredo trunken vor Liebe sein Hemd auszieht, um seiner Geliebten das blutige Knie damit zu verbinden. Unterschiedlicher können die beiden nicht sein. Während Alfredo, vertieft in Gedanken, Bilder von ihr am Handy ansieht und sich eine gemeinsame Zukunft ausmalt, macht Violetta Fotos von sich und schnupft noch schnell etwas, um dem Schmerz der Zwiespältigkeit zu entfliehen.

Der zweite Akt öffnet sich mit einer kleinen Wohnung. Violetta sitzt an ihrem Macbook und wartet auf Alfredos Antwort, während Annina (ebenfalls Marschaniya) kocht und unentwegt Bilder für Instagram macht von ihrem Essen. Giorgio Germont (Matteo Loi), in dieser Version nicht der Vater von Alfredo, sondern der Bruder, stattet der Bruder-Diebin einen Besuch ab. Er konfrontiert sie mit Schlagzeilen, die sie als Schande für seine Familie bezeichnen und sogar  ihre gesamte Vergangenheit öffentlich zur Schau stellen. Georgio bietet ihr Geld an, wenn sie den Bruder verlässt. Sogar der Verlobte seiner armen Schwester will die Verlobung auflösen aufgrund der Schmach, dass Alfredo mit einer Frau aus dem Rotlicht-Milieu liiert ist. Nach langer Diskussion entscheidet sich Violetta, Alfredo zu verlassen, jedoch ohne das Geld zu nehmen. Die einzige Bedingung, die sie hat: „Bitte erzählt ihm von dem Opfer, das ich gebracht habe“. Todtraurig über diese Entscheidung beschließt sie zunächst,  ihm eine Handynachricht  zu schreiben, und wählt dann doch den klassischen Weg eines Briefes für diesen Bruch. Alfredo kommt nach Hause, sieht sie kurz und merkt nicht, wie sie sich aus dem Haus schleicht. Er liest die Nachricht und schwört Rache. Es werden Szenen von Alkoholexzessen gezeigt, die allesamt auf Social Media-Plattformen zu sehen sind, um Violetta einen Einblick in seine jetzige Lebenslage zu gewähren.
Endlich erblickt er seine Violetta auf Floras Party mit Douphol. Als er sie darauf anspricht, erwidert sie: „Ja, ich liebe Douphol“. Alfredo verprügelt diesen und nimmt daraufhin mit seinem Handy auf, wie er Violetta auf den Boden wirft, Geld über sie streut und ins Handy ruft: „Ihr seid meine Zeugen, dass ich sie bezahlt habe“.

Im  dritten Akt liegt Violetta im Sterben. Der Arzt versucht sie zu beschwichtigen, jedoch vertraut er Annina an, dass es sich nur noch um Stunden handle bis sie stirbt. Alfredo, der die Stadt verlassen hatte, erreicht sie noch rechtzeitig. Im Anzug und vollkommen verändert, gesteht er ihr seine Liebe und will sie zu einem neuerlichen Neubeginn überreden. Kurzzeitig erweckt er damit ihre Lebensgeister, und Violetta redet sich ein, dass es ihr gut geht, sie plötzlich keine Schmerzen mehr fühle und sogar ihr Glitzer-Kleid anziehen könnte. Auch Giorgio, den die Schuldgefühle auffressen, hat sich währenddessen im Zimmer eingefunden. Er beichtet dem Bruder seine Schuld. Violetta gibt Alfredo ihr Handy und sagt zu ihm, dass er irgendwann, wenn er ein Mädchen mit reinem Herzen findet, er ihr ein Foto von ihr zeigen und ihr ihre Geschichte erzählen solle. Damit bäumt sich Violetta noch ein letztes Mal auf, fällt jedoch seelenlos wieder auf ihr Bett. Jeder ist in seinen Gedanken versunken und trauert um das Schicksal dieses armen, verlorenen Mädchens, das von der Gesellschaft zu einer Randfigur gemacht wurde, und dem es nicht gewährt wurde, eine eigene Familie zu haben.

Mit diesem Stück wurden die modernen Probleme der heutigen Jugend fast alle aufgezählt.  Das Publikum war begeistert und konnte nicht aufhören zu klatschen. Vor allem Frederikke Kampmann, festes und neues Mitglied des jungen Ensembles des Theater an der Wien 2016/17, überzeugte mit Stimmgewalt und höchst professionellem schauspielerischem Können. Willst auch Du Dich vom modernen Opern-Märchen fesseln lassen, dann mach mit bei unserem Gewinnspiel.

SCHiCK verlost 2×2 Karten für die Vorstellung am 8. Oktober in der Wiener Kammeroper.

LA TRAVIATA

08.Oktober 2016 19:00 Uhr
Wiener Kammeroper
Fleischmarkt 24
1010 Wien
www.theater-wien.at/de/in-der-kammeroper

Weitere Vorstellungen:
29. September 2016: 19:00 Uhr
1./ 3. / 8./ 11. / 17. / 22./ 24. Oktober 2016: 19:00 Uhr
5. Oktober 2016: 12.00 Uhr

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(GEWINNSPIEL ABGELAUFEN)
WIR VERLOSEN 2×2 Karten für die Vorstellung am 08. Oktober 2016

Füllt uns das Gewinnspielformular bis zum 06.10.2016
mit dem Betreff „LA TRAVIATA“ aus.

Die Gewinner werden telefonisch verständigt!

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