BÜHNE

„MADAME BOVARY“: Ein schizophrenes Provinzdrama

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 Anna Bergmanns – für die Josefstadt – eher ungewöhnliche  Inszenierung  von Gustave Flauberts „Madame Bovary“ feierte am 12. April mit einer grandiosen Maria Köstlinger und einer verstörend schönen Inszenierung Premiere.

Wer am Donnerstag Abend bei der Premiere von Anna Bergmanns „Madame Bovary“ im Publikum saß, fragte sich wohl spätestens nach dem ersten Akt, ob er überhaupt im richtigen Theater saß. Denn diese anfangs stimmige und teils Lynch-angehauchte Inszenierung, kippte spätestens im zweiten Teil ins schräg Absurde. Für manchen Josefstadt-Liebling mag das depressive Provinzdrama einer Frau, die sich nach Luxus und erotischen Abenteuern sehnt, doch eine Spur zu viel an gewolltem Spektakel gewesen sein.

Zwar besticht „Vorstadtweib“ Maria Köstlinger durch ein (wie immer) fantastisches Spiel, wird aber durch die dauerhafte Zurschaustellung ihrer multiplen Persönlichkeiten (dargestellt durch vier zusätzliche Bovarys) gestört. Bergmanns Idee mag durchaus eine Schlaue gewesen sein, doch die Umsetzung dieser schizo-affektiven und dauerkränklichen Frau hätte man stressfreier lösen können. Traut die Regisseurin dem Zuseher nicht zu, Bovarys vielschichtige Persönlichkeiten durch Köstlingers  alleiniges Spiel zu verstehen? Das düster grünliche Bühnenbild im ersten Akt (von Katharina Faltner) passt perfekt zur Tristesse von Bovarys Innenleben. Während man hier noch eine Ahnung von vergangenen Tagen am Land bekommt, kippt die Timeline in Teil zwei des Stückes leider mehr als gründlich.

Es bedarf heute sicher keinem vampirös angehauchten Meo Wulf (Léon Dupuis) auf einem Hoverboard, um die Aktualität der Geschichte ins Hier und Jetzt zu transformieren, nicht einmal in einem Traditionshaus wie der Josefstadt. Auch wenn Wulf mit seiner Performance zumindest für ein paar gutgemeinte Lacher in dem sonst manisch-depressiven Stück sorgt. Generell sind die Männer an diesem Abend die Sympathieträger des Stückes. Ausgenommen Christian Nickel (als verführerischer Rodolphe), dem das Komödienfach ganz offensichtlich liegt und der den berechnend fiesen Liebhaber Bovarys so köstlich nachvollziehbar zur Schau gibt.

Emma Bovary, eigentlich von Grund auf leidenschaftlich, wirkt indes herzlos, berechnend und kalt. Mag auch die psychische Verfassung schuld an der Unmenschlichkeit dieser Person liegen, so hätte ihr Bergmann doch ein klein wenig mehr Lieblichkeit einhauchen können. Man kann sich in ihr (leider!) kaum wieder erkennen, auch wenn ihre Taten zum Teil nachvollziehbar sind. Ihre Abneigung gegen den eigenen Ehemann (Roman Schmelzer) wirkt beinahe beleidigend gegen das männliche Geschlecht.

Versucht dieser arme Provinzarzt doch alles in seiner Macht stehende, um seine Frau glücklich zu machen. Schenkt ihr ein Kind, teure Klavierstunden und ein Pferd. Beinahe grotesk wirkt hier das gemeinsame Kind (Berthe) in Form einer gruslig schönen Puppe, die mit ihrem kindlichen Humor neben Gänsehaut auch für Lacher sorgt. Suse Wächter (die Puppenspielerin) holt mit ihrer Interpretation eines zur Adoleszenz gezwungenen Kindes alles raus was geht.

Der zweite Akt wirkt zwar alles in allem flüssiger, erzeugt beim Zuseher jedoch zunehmend für Stress. Wie Bovarys Persönlichkeit, bricht das anfangs homogene Bühnenbild im zweiten Akt förmlich auseinander – was bleibt ist Chaos und Zerfall. Da hilft auch der ganze Bühnensex nicht drüber hinweg, der hier so und so ins Sado-Maso-Fach zu kippen droht. Bergmann wollte vielleicht mit ihrer Version der Bovary schockieren, hat aber die Rechnung ohne das mittlerweile jüngere Josefstadt-Publikum gemacht. So eine Inszenierung schockt allerhöchstens noch die über hundertjährigen Abonnenten, die wenigen, aus längst vergangenen Tagen, die auf ein altmodisch-romantisch verklärtes Stück gehofft haben.

Roman Schmelzer versucht als liebevoller und gebrochener Ehemann das Beste aus seiner eintönigen, weit unterlegenen Spieler-Position zu machen. Siegfried Walther spielt den schrulligen Apotheker wie auch hinterlistigen Luxusverführer wunderbar untertönig boshaft. Zusammengefasst ist dieses Stück, dass eigentlich die Depression einer am Land gefangenen Frau zeigen sollte, eine Fallstudie der letalen weiblichen Psyche. Bea Brocks, Therese Lohner, Silvia Meisterle und Ulli Fessl machen ihre Sache als Emmas Alter Egos zwar gut, wären aber in einer einmaligen Andeutung der multiplen Persönlichkeit die bessere Wahl gewesen.

Fazit: Teils wirklich ästhetisch-schöne Bilder, jedoch zu viel an unwichtigem Bühnenspektakel (mit der laufenden Gefahr, dass die Technik hinter der Bühne nicht richtig funktioniert). Der „Ophelia-Monolog“ aus Heiner Müllers „Hamletmaschine“ zu aufgesetzt und unpassend für dieses Stück. Maria Köstlinger gebührt dennoch großer Applaus, man sieht und spürt, dass sie an diesem Abend alles gibt. Ebenso Christian Nickel, Roman Schmelzer und Meo Wulf.

Für die Josefstadt selbst war dieses Spiel vielleicht (noch immer) zu modern, zu gewollt und aufgesetzt. Schade eigentlich, denn die Schauspieler haben das Beste aus dieser Bovary herausgeholt. Als der eiserne Vorhang nach einem nicht ganz so stürmischen Applaus wie sonst herunterfährt, höre ich einen Sitznachbarn fragen: „Waren wir heute eigentlich an der Burg oder in der Josefstadt?“. „Wie passend“ denke ich mir und gehe – jedoch mit dem Gedanken, es mir noch einmal anzusehen!

 

TRAILER by Jan Frankl

 

BESETZUNG

REGIE
Anna Bergmann

BÜHNENBILD
Katharina Faltner

KOSTÜME
Lane Schäfer

MUSIK
Heiko Schnurpel

DRAMATURGIE
Barbara Nowotny

LICHT
Manfred Grohs

CHOREOGRAFIE
Radha Anjali


EMMA BOVARY: Maria Köstlinger
EMMAs ALTER EGOS: Bea Brocks, Therese Lohner, Silvia Meisterle, Ulli Fessl
 CHARLES BOVARY: Roman Schmelzer
RODOLPHE BOULANGER: Christian Nickel
LÉON DUPUIS: Meo Wulf
 MONSIEUR HOMAIS/ MONSIEUR LHEUREUX: Siegfried Walther
BERTHE BOVARY: Eine Puppe/ Suse Wächter

THEATER IN DER JOSEFSTADT

Josefstädter Straße 26
1080 Wien

WEBSITE: www.josefstadt.org
FACEBOOK: www.facebook.com/TheaterinderJosefstadt

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