KULTUR

NOVA ROCK 2015 – TAG 1

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Nova Rock 2015 Tag 1 – Sandstrahlen inklusive

Auch 2015 ging wie alle Jahre wieder das Nova Rock Festival in Nickelsdorf nahe der ungarischen Grenze über die Bühne, oder besser gesagt über die Bühnen.© Nova Rock

Wie schon all die Jahre zuvor wurden von den Verantwortlichen keine Kosten und Mühen gescheut, um auch dieses Jahr etwas ganz Besonderes auf die Beine zu stellen, und sie haben die sonst öde Ebene im Burgenland in ein Paradies für Musikfans verwandelt.

Die Geländeaufteilung wurde im Gegensatz zu den vergangenen Jahren deutlich überarbeitet, und so konnte der Weg zwischen den beiden Stages deutlich verkürzt werden. Die „Highway to Hell“ genannte, auf gut 200 Meter reduzierte Verbindung wurde von den Besuchern sehr begrüßt, da der Wechsel zwischen den Bühnen deutlich schneller und problemloser ging. Die Infrastruktur vor Ort war wohl bedacht, und dank gut gebriefter Securities war ein Verlust der Orientierung beinahe unmöglich.

Neben einigen Attraktionen, die man eher aus dem Wiener Prater kennt, wurde eine große Bandbreite an Kulinarik geboten. Vom einfachen, aber durchaus schmackhaften Burger bis zu beinahe übertrieben niveauvollen Gaumenfreuden des TV-Kochs Oliver Hoffinger wurde alles Nötige geboten. Die Festival-Besucher werden eben von Jahr zu Jahr anspruchsvoller. Wer sich trotzdem in die richtige, für ein Rock-Festival typische erdige Stimmung bringen wollte, dem wurde eine ausreichende Anzahl an Bierständen geboten. Niemand musste auf etwas verzichten.

Die Besucher dankten für all diese Vorzüge mit einem reibungslosen Ablauf sowie einer ab der ersten Sekunde lockeren, ausgelassenen und fröhlichen Stimmung.

Der erste Festival-Tag auf den Pannonia Fields begrüßte sämtliche Freunde guter Musik mit brütender Hitze und strahlendem Sonnenschein. Bereits beim Eingang hatte man aufgrund des von tausenden Besucherbeinen aufgewirbelten Staubes und der daraus resultierenden optischen Erscheinung des Geländes den Eindruck, auf einem echten Festival zu sein. Man fühlte sich sofort angekommen und aufgenommen.

Den musikalischen Startschuss gab die österreichische Progressive Rock Band Mother’s Cake bei den bereits erwähnten klimatischen Bedingungen. Diese hielten aber die eingefleischteFangemeinde nicht davon ab, als Plüschtiere verkleidet oder in luftigen Spartaner-Outfits inklusive der aufgemalten obligatorischen Bauchmuskeln das Gelände zu erkunden.

Mit den auf der Red Stage performenden Guano Apes begann dann die Stimmung der Rockgemeinde bestens zu köcheln. Wenn auch ihre großen kommerziellen Erfolge einige Jahre zurückliegen, so ist die Band, allen voran die immerjunge Sängerin Sandra Nasic, weniger gealtert als vielmehr musikalisch gereift. Erst mal auf den Wellenbrecher geklettert wusste die energische Frontfrau auch mit den neueren Songs das Publikum zu begeistern. Für jemanden, der sich Schikurse Ende der 90er ohne ihren großen Kracher „Lord of the Boards“ nicht vorstellen konnte, war der Auftritt somit gleich ein echtes Highlight.

Die aus dem Westen der USA angereisten Mastodon wussten mit ihrem drumstickwirbelnden und hervorragend singenden Drummer zu beeindrucken, bevor sich dann zu den Klängen von Lamb of God und Rise Against die letzten Plätze vor den beiden Bühnen füllten, um die Haupt-Acts des ersten Tages zu begrüßen.

Auf der Blue Stage beginnend, waren dies Mötley Crüe. Die etwas in die Jahre gekommenen Herren rund um Sänger Vince Neil und den dank diverser Skandale sowie eines pikanten Urlaubsvideos mit einer bekannten Badenixe wohl berühmteren Schlagzeuger Tommy Lee versuchten, mit viel Mascara und einer dicken Schicht Make-Up die Spuren ihres bewegten Rockerlebens zu verbergen. Ein wenig frischer sahen da nur die zwei Damen aus, die in wenig Leder gehüllt mit Tanzeinlagen und simpler Choreographie versuchten, die teilweise enttäuschte Masse vor der Bühne wieder anzuheizen. Doch weder sie noch die furiose Feuershow konnten wirklich Stimmung in die Sache bringen. Kurz vor ihrem für heuer angekündigten endgültigen Abschied von den Bühnen dieser Welt fiel es Mötley Crüe sichtbar schwer, die Erwartungen des Publikums zu erfüllen, und so kam es, wie es kommen musste. Kaum hatte der zweite Headliner dieses Abends die Bühne der Red Stage betreten, begann eine Art Völkerwanderung.

Die Beatsteaks trumpften groß auf und zeigten, wie man die Crowd auf einem Rockfestival wie dem Nova Rock begeistert. Musikalisch war die Alternative-Rock Gruppe aus Berlin makellos, und auch wenn man an sich kein Fan dieser Musik an sich ist, so wurde man vor allem von der energiegeladenen Performance von Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß sprichwörtlich mitgerissen. Die Fans ließen sich nicht lange bitten und dankten der Band mit tosendem Applaus und ausgelassener Stimmung.

Würden die beiden Bands in einer Schulklasse sitzen, so hätte Mötley Crüe einen stressigen Sommer, da sie für ihre Nachprüfungen lernen müssten, während sich die Beatsteaks nach bestandener Zentralmatura auf Ibiza die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und ganz im Stil des Late-Night-Acts Scooter fragen könnten: „How much is the fish?“.

 

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