KULTUR

NOVA ROCK 2015 – TAG 2

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NOVA ROCK Tag 2 – Regendusche inklusive

Mit Spaßfaktor pur, vorgelebt durch die Wiener „Punkrocker“ von Turbobier, wurden die ersten, durch den anstrengenden Festivalalltag gezeichneten Scheintoten aus ihren Zelten an die Bierstände vor den Bühnen gelockt.

Als sich die Fans dann wenig später auch mit fester Nahrung gestärkt und von Zombies wieder zu einigermaßen lebendig wirkenden Menschen verwandelt hatten, konnte der charmante und witzige Rea Garvey das Publikum mit lockerer Pop-Rock Musik sowie witzigen Ratschlägen unterhalten. Der Mann weiß, wie ein Festival abläuft, und berichtete freizügig aus seinen jüngeren Jahren. „Hitze und Alkohol, da passieren viele Fehler, aber dafür sind Festivals ja da und ihr seid jung, also macht alles“, gab er freudig an sein Publikum weiter. Mit der Aussage „flip the fuck out“ konnte er bereits am frühen Nachmittag die Stimmung gekonnt anheizen und so manchen Ordner zur Verzweiflung bringen.

Nova Rock 2015Überhaupt erwachte die Festivalgemeinschaft mehr und mehr zu neuem Leben und am frühen Abend war bereits wieder volles Treiben zu beobachten. Man traf stets auf gut gelaunte und friedliche Gesellen. Die einen lauschten zu den Klängen ihrer Lieblingsband, die anderen kümmerten sich hingebungsvoll, ja fast aufopfernd um ihren Alkoholspiegel, und so manch einer zog seine eigene Show vor einem kleinen Kreis begeisterter, wenn auch oftmals irritierter Zuschauer ab. Man könnte in solchen Fällen von alkoholgetriebener Kleinkunst sprechen.

Die deutschen Medieval-Seemänner von In Extremo verzückten mit Harfe und Flammenwerfer, bevor Papa Roach die Fans weiter dazu animierte, sich mehr in der Luft als auf dem burgenländischen Boden zu bewegen. Nicht einmal der einsetzende Regen konnte den Spaß vor der Bühne bremsen, gerade weil dieser nach einem langen, heißen Tag eher begrüßt wurde.

Bevor mit den Toten Hosen der deutsche Headliner des Abends auf die Fans losgelassen wurde, präsentierten die Fantastischen Vier Sprechgesang auf höchstem Niveau. Trotz des Wortes „Rock“ im Namen des Festivals waren die vier Begründer des deutschen HipHops alles andere als fehl am Platz. Aufgrund der Tatsache, dass während des Konzerts wohl weniger Bier getrunken als grüne Glimmstängel geraucht wurden, konnte so manch strapazierte Leber kurzzeitig ruhen und die toxische Aufarbeitung an die Lunge abgeben. Die Crowd freute sich deutlich über die Abwechslung im Line-Up, und auch die Herren aus Stuttgart waren sichtlich angetan vom Jubel der Masse.

Nach Einsetzen der Dunkelheit und mit dem Ende der Regenschauer heizten In Flames auf der Red Stage das Publikum mächtig an. Der schwedische Frontmann erkundigte sich beim Auditorium, ob denn Crowdsurfing in Österreich per Gesetz verboten wäre, er wollte mehr Leute in der Luft haben, um sie, wie er es nannte, „zu riechen“. Prompt leisteten die Anwesenden Folge, und man konnte einen nicht enden wollenden Schwall an Menschen beobachten, die auf Händen von der Menge zur Stage getragen wurden – sehr zum Leidwesen der Ordner, die mit einer solchen Masse an Willigen doch an ihre Grenzen stießen.

Die Toten Hosen schafften es dann erstmals, den unendlich großen Raum vor der Bühne bis auf den letzten Zentimeter zu füllen. Es wurde so richtig eng, denn es hatte fast den Anschein, als seien nun auch die letzten Festivalbesucher hinter den überlaufenen Bierständen aus ihrem Koma erwacht, keiner wollte sich diesen Auftritt entgehen lassen. Präsentiert von einem klassischen Ansager, wie man es sonst nur von den großen Boxkämpfen im TV kennt, betraten Campino & Co die spartanisch, aber ausreichend sinnvoll mit zwei Flaggen dekorierte Stage.

Die eingefleischte Fangemeinde war sofort von den Socken und grölte lauthals mit.

Als den Düsseldorfern nach einigen Songs nicht mehr ausreichend mitgesungen wurde, holte Campino höchstpersönlich eine junge Dame, welche zuvor noch mit dem Schild „textsicher…“ um seine Aufmerksamkeit buhlte, aus dem Publikum auf die Bühne, um sie auf die Probe zu stellen. Nachdem diese sich furchtlos und freudestrahlend als Marlene aus Gattendorf (Burgenland, Anm. d. Red.) vorstellte, tanzte sie mit Campino über die gesamte ihr gebotene Fläche und konnte mit einem verhältnismäßig gut gesungenen „Ich will nicht ins Paradies“ ihre Textsicherheit unter Beweis stellen. Gedankt wurde ihr mit Jubel, einer Dose Bier und einem Küsschen, von dem sie noch lange träumen wird. Als dann der Sänger selbst wieder das Zepter oder in diesem Fall das Mikrofon in die Hand nahm, kochte die Stimmung im Publikum zum Allzeit-Hit „Pushed Again“ über. Bengalische Feuer auf der Bühne und dazu passende Pyrotechnik davor in den Händen der Anhänger untermalten die überschäumende Stimmung. Typisch für die Toten Hosen gab es zwischendurch kleine politische Statements, einige Denkanstöße mit gesellschaftskritischem Hintergrund sowie dazupassende Liedchen. Mit einem groß angelegten Konfettifeuerwerk und unter großem Beifall machte das deutsche Quintett dann Platz für Österreichs Kult-Musiker Wolfgang Ambros, der Jung und Alt mit ruhigeren Klängen über einen steinigen Weg zurück in die Zelte schickte.

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2 Comments

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