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NOVA ROCK Tag 3: Wasser, Surfen, Freude

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Grundsätzlich gilt bei jedem Festival: Je mehr Tage absolviert, desto mehr zombieähnliche Gestalten bahnen sich den Weg zu den Bühnen. So auch beim Nova Rock.

Der dritte Tag brachte zwar wieder Wasser, jedoch nicht in der Form, dass es die alkoholbedingten Brände der einzelnen Besucher löschen konnte, sondern einfach als lästigen Regen. Der Nachmittag war noch trocken und kühl, sodass sich die vom Vortag durch Sonne und Bier geschwächten Rocker in Ruhe erholen und mit gelbem Gold wieder aufrichten konnten. Die nötige Unterhaltung dazu lieferten ab dem Mittag Viech, Attila, Krautschädl, die Briten-Kombo Slaves, die Punk-Rocker Zebrahead, Periphery, Tom Odell und Caliban. Beide Stages waren also bereits gut bespielt und vor allem gut besucht. Der Samstag lockte nicht zuletzt wegen des fantastischen Line-Up’s nochmal viele tausende Fans zusätzlich in die pannonische Öde im Burgenland.

Gegen Abend hin verdichtete sich das Gedränge und auch der Pegel stimmte wieder. Ideal dafür waren die Klänge von Steve’n’Seagulls. Wie schon der Namen vermuten lässt, verbirgt sich hinter der finnischen Country-Gruppe jede Menge Spaß. Die durch YouTube zu Berühmtheit gelangte Band covert besonders gerne legendäre Rock- und Metalsongs und verpasst diesen einen ganz eigenen witzigen Touch. Muss man definitiv mal gesehen und gehört haben.

Nach dem Auftritt der Finnen folgten beinahe gleichzeitig zwei echte Kracher und ein wirklicher Geheimtipp. Die größte Bühne, Blue Stage getauft, gehörte den Dropkick Murphys, die Red Stage durfte Rapstar Alligatoah mit seinem Heißluftballon bereisen, während Romano seine teils genialen Texte zum Besten gab. Letzterer bezeichnet sich selbst gerne als Schlager-Barde, würde aber eher als klassischer deutscher Hip-Hopper durchgehen. Als Geheimtipp sollte er auf Grund seiner Reime bezeichnet werden. Großartig, wie er Dinge in Worte fassen kann.
Alligatoah, ebenfalls ein großer Dichter mit eloquentem Sprechgesang, verwandelte einstweilen die rote Bühne in einen großen Heißluftballon. Toll anzusehen und zusammen mit seiner musikalischen Darbietung für die Besucher mit dem Hang zum Hip-Hop bis dato sicher eines der Highlights am Nova Rock.

Deutlich wilder und eben echt rockiger war es bei den Herren aus Boston, Massachusetts. Die 1996 gegründeten Dropkick Murphys sind genau das, was es auf einem Nova Rock eben geben muss. Eine Live-Band, die mehr Staub trotz Dauerregens aufwirbelt als sonst irgendeine Gruppierung. Die perfekte Mischung aus Punk-Rock und Irish-Folk lässt die Massen vollkommen eskalieren. Sänger Al Barr und seine mit Banjo, E-Gitarren und Dudelsäcken bewaffneten Mannen treiben das Publikum von Song zu Song mehr und mehr an. Spätestens nach dem dritten Lied verlassen mehr Leute crowdsurfend als auf normalem Wege den Wavebreaker, natürlich nur um sich sofort wieder auf den Händen der tobenden Massen ganz nach vorne tragen zu lassen. Dass der Moshpit vor der Stage gigantisch war, ist natürlich selbstverständlich. Die Dropkick Murphys verdienen absoluten Headliner-Status, viel besser als sie kann man zehntausende Menschen nicht anheizen.

Im Anschluss daran kam es wieder mal zu einer Zerreißprobe für die Festival-Besucher. Alice Cooper oder Seiler und Speer war die Frage. Auf der Blue Stage gab es den beinahe 70-jährigen Grusel-Rocker zu sehen, auf der Red Stage triumphierten die Dialekt-Künstler aus Österreich. Die beiden „Hobby“-Musiker, Bernhard Speer und Christopher Seiler, sorgten für wahrlich unvergessliche Momente am Nova Rock. Noch kein Act konnte 2016 so viele Menschen vor einer Bühne vereinen. Eine genaue Zahl zu nennen ist kaum möglich, aus dem Bauch heraus könnte man aber von 100.000 Fans sprechen. Es fühlte sich jedenfalls so an. Einfach irre wie das Publikum auf die Hits der Bad Vöslauer einging. Spätestens ab dem Zeitpunkt, wo sie ihren größten Chart-Erfolg „Ham kummst“ intonierten, war klar, wie legendär das Gebotene ist. Die Fans sangen inbrünstig mit, Gänsehaut war garantiert.

Alice Cooper hatte dagegen etwas das Nachsehen, aber ebenfalls eine Unmenge an Rockern vor sich. Die Rekordverkäufe an den Ticketkassen machten sich eben bemerkbar und so kamen beide Seiten zu Shows vor fast vollem Haus. Der nicht nur wegen seines Make-Ups gruselig wirkende Cooper gab alles und verzückte mit einer reichhaltigen Auswahl seiner größten Hits. Seine Begleitband gab sich äußerst spielfreudig, allen voran die australische Edel-Gitarristin Nita Strauss. Eine ganz Große im Umgang mit den Saiten und mit Sicherheit der Inhalt diverser feuchter Rocker-Träume. Die Show war ebenfalls sehr gelungen, Alice Cooper ist keinesfalls pensionsreif.

Nach diesen beiden Konzerten waren die Fußstapfen für die noch folgenden Künstler wirklich sehr groß. Um Punkt 23:00 Uhr betraten B-Real, Sen Dog, DJ Muggs und Eric Bobo, zusammen als Cypress Hill weltbekannt, die Red Stage. Es waren somit deutlich andere Töne zu hören und andere Gerüche zu vernehmen, als es davor der Fall war. Eine intensiv nach Cannabis duftende Wolke legte sich über den Zuschauerbereich, klingende Hip-Hop Beats mit herrlichen G-Funk-Einflüssen begleiteten die THC-Liebhaber in ihre abendlichen Träumerein. Dazu gab es den üblichen routinierten Sprechgesang, mit dem die Kombo schon über achtzehn Millionen Platten verkauft hat. Kein großer Aha-Moment, aber eine grundsolide Show, wenn’s gefällt.

Zwanzig Minuten nach dem Start von Cypress Hill begannen die Dänen die Blue Stage zu rocken. Volbeat, als Headliner gebucht, droschen mit rustikalem Gitarrensound und viel therapeutischem Lärm auf die Rockfanatiker ein. Sänger Michael Schøn Poulsen wirkte musikalisch deutlich gereifter. Überhaupt legte die Band in den letzten Jahren merklich in der Qualität ihrer Live-Auftritte zu, nicht zuletzt wegen der Neubesetzungen von Bassist und Gitarrist. Bekannte Fehler waren dieses Jahr nicht mehr zu erkennen oder eben zu hören. Die neuen Songs aus dem erst kürzlich erschienen Studioalbum „Seal the Deal & Let’s Boogie“ wurden von der Crowd großartig angenommen. Kein Wunder, hat die Scheibe doch auch in Österreich schon Goldstatus erreicht. Die Show war gut konzipiert, klanglich das Eintrittsgeld wert und mit Sicherheit Balsam auf den Seelen der Fans.

Damit waren alle großen Acts für diesen Tag Geschichte. Der Zahn der Zeit nagte ohnedies schon an den meisten Nova Rockern. Dazu kam wie immer jede Menge Ethylalkohol und das an diesem Tag suboptimale Wetter. Trotzdem trieb es noch einige Nachtschwärmer in die Fänge des Late-Night-Acts. Austrofred inszenierte seine Texte wie üblich zu den Klängen von Queen. Kam gut an, trotz der tiefen Nacht. Danach war aber Schluß, Lichter aus, Kräfte sammeln für den vierten und letzten Tag.

EVENT-WEBSITE: www.novarock.at

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