KULTUR

NOVA ROCK – TAG 3

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NOVA ROCK Tag 3 – Weltuntergang inklusive

Nachdem die müden Festivalgäste mit etwas Blasmusik aus den Zelten gejagt wurden, übernahmen die Jungs von Alkbottle die Beschallung der burgenländischen Ebene.

Eine erste echte musikalische Duftmarke setzte am frühen Nachmittag Fiva, die mit feinem Rap und großem Musikerstab zu überzeugen wusste.

Direkt nach der Dame aus München folgte die einsatzfreudige Jennifer Weist, die mit ihrer Band Jennifer Rostock das Publikum musikalisch aufwärmte. Wirklich aufgeglüht sind dann vor allem die Männer vor der Bühne. Die reizende Lady aus Mecklenburg-Vorpommern stellte sich nach einigen Songs ganz in den (PR)-Dienst der Band und präsentierte stolz das neueste Werk ihres eindeutig fähigen Schönheitschirurgen. Mit den Worten „Nur für euch frisch gemacht“ zog sie blank und zeigte sich so wie Gott, der Arzt und einige Tätowierer sie schufen. Ab da war der Band die volle Aufmerksamkeit sicher, und die anwesenden Journalisten hatten was Anständiges zu schreiben.

Weniger genussvoll war kurz darauf der Auftritt der US-Rocker Gaslight Anthem. Zum einen wirkte die Band so enthusiastisch wie ein Eisbär in der Sahara, zum anderen kam ein heftiges Sommergewitter auf. Der Band kam die Unterbrechung sichtlich gerade recht, man könnte meinen, um die vorm Konzert angezettelten bandinternen Streitigkeiten fertig auszutragen. Das Gewitter war konträr zum Auftritt hingegen wirklich spektakulär. Die Crew des Festivals reagierte schon davor auf die herannahenden tiefschwarzen Wolken, warnte die Besucher mit eindeutigen Hinweisen und sicherte die Bühnen vor Schäden. Kaum waren alle in Sicherheit oder aus der Reichweite möglicherweise herabfallender Teile, begann der Weltuntergang.

Sogar unter den hartgesottenen, festivalerprobten Journalisten im massiven Pressezelt verging einigen das Lachen aufgrund der Wassermengen, die über die Pannonia Fields niedergingen, und auch wegen der orkanartigen Windgeschwindigkeiten. Einige Zelte am Campingplatz überlebten nicht so einfach, und trocken blieb wohl keiner. Nach etwa einer halben Stunde war alles vorbei, die Bühnen in kürzester Zeit wieder einsatzbereit und die frischgeduschte Masse wieder aufnahmefähig für weitere Rocktöne. Diese kamen anfangs mit kurzer Verspätung von Farin Urlaub und seinem Racing Team auf der Red Stage. Das Publikum begrüßte sie mit einer publikumsinternen Schlammschlacht und zeigte den Wettergöttern, dass sich Festivalveteranen nicht so einfach unterkriegen lassen. Nach etwas längeren Verzögerungen betraten Five Finger Deathpunch die Blue Stage. Der Sänger entschuldigte sich beim Publikum, weil er kurz vor dem Wolkenbruch noch darum gebeten hatte, den Himmel zu öffnen.

Anschließend an das Gastspiel der Amerikaner war der legendäre Lemmy Kilmister mit seinen Mannen von Motörhead an der Reihe, die Blue Stage zu befeuern. „We’re Motörhead, and we play Rock’n Roll!“ stellte der Engländer sich und seine Band vor. Aber das war wohl einmal. Zumindest an jenem Tag konnte der sichtlich durch seinen Lebensstil gezeichnete Lemmy dem Publikum doch nicht ganz die Show bieten, die es wollte. Während sich Mister Kilmister sichtlich schwer tat, aufrecht stehen zu bleiben, versuchte der Gitarrist immer wieder, das Publikum in bessere Stimmung zu versetzen. Allerdings gelang ihm dies nicht so wie gewünscht. Auch wenn der Auftritt etwas lau wirkte, so waren alle irgendwie doch begeistert, Motörhead muss man eben einmal gesehen haben. Und die Alt-Rocker stehen auch gewissermaßen für ihren puristischen Stil bei den Auftritten.

Den krönenden Abschluss des Nova Rock teilten sich Deichkind und eine Alternative-Metal-Band aus Iowa namens Slipknot. Beide sind für ihren hochkarätigen Sound und das dazu passende Bühnenbild berühmt. Und beide konnten liefern, was bestellt wurde. Deichkind auf der Red Stage bot eine perfekt geplante Show mit gesellschaftskritischem Hintergrund. Sie nahmen sowohl optisch als auch akustisch die heutige multimediaverrückte und socialmediasüchtige Kultur aufs Korn. Auf der Bühne kam alles zum Einsatz, wxas man sonst nie dort sehen würde. Vom Jägeroutfit über Ganzkörperanzüge im Smartphone-Design bis hin zum elektrischen Rollstuhl war alles vertreten. Das Publikum dankte mit Sprechchören und Jubel.

Fast zeitgleich schlug die Stunde der Perchtenmasken. Auf der Blue Stage gaben sich die maskierten US-Herren rund um Frontmann Corey Taylor die Ehre. Auf und vor der Bühne konnten Masken angsteinflößendster Art bewundert werden. Ein wahrlich unfassbar energiegeladener und stimmungsvoller Auftritt, den viele der Anwesenden wohl bis zum Ende ihrer Tage nicht vergessen werden. Die Show war sowohl musikalisch als auch bühnentechnisch einzigartig und ein Genuss für jeden Rock-Fan. Der stimmgewaltige Sänger und sein noch gewaltigeres Ensemble an Musikern heizten der Crowd noch ein letztes Mal kräftig ein, bevor das Nova Rock seine Pforten für dieses Jahr schloss.

Alles in allem war das Rock-Festival im Burgenland wieder ein besonders heller Stern am Festival-Himmel. Vom Anfang bis zum Ende war das Publikum begeistert, sämtliche Neuerungen wurden positiv aufgenommen, und das Line-Up war wohl durchdacht und auf alle Bedürfnisse abgestimmt. Nova Rock 2016, wir kommen!

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