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NOVA ROCK Tag 4: Regen, Chilipfeffer und Abschiedsbier

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Der vierte und letzte Tag des Nova Rock in Nickelsdorf konnte dank eines großartigen Line-Ups noch einmal die letzten Kräfte bei allen Besuchern mobilisieren.

Ein Lokalaugenschein am Zelt- und Caravanplatz zeigte deutlich, dass die fortgeschrittene Dauer des Festivals bereits deutlich an den Fans genagt hat. Müde Gesichter und teils wilde Hygienezustände waren keine Seltenheit, typisch für ein Rock-Festival möchte man sagen.

Bereits ab Mittag wurden die ersten Frühaufsteher wieder mit Musik von allen Bühnen beschallt. Das Frühschoppen wurde gar um halb Zwölf mit Wendis böhmischer Blasmusik eingeleitet. Darauf folgte die Wiener Gruppe Dragony, die ihren Symphonic Metal zum besten gab, inklusive dem Underground-Hit „True Survivor“. Danach hatten Drescher, The Struts, Graham Candy, The Amity Affliction, Gary Clark Jr., We Came As Romans, Mono & Nikitaman, Behemoth sowie Killswitch Engage die Stages inne.

NOFX befeuerten ab 18:00 die große Blue Stage. Die kultigen Punk-Rock-Veteranen gaben sich gut gelaunt und unterhielten die Fans nicht nur musikalisch. Dass die bandinterne Schmähkultur stimmt, stellten sie mit witzigen gegenseitigen Sticheleien ebenfalls unter Beweis. Die seit über dreißig Jahren zusammen agierenden Musiker hauten sich wirklich ins Zeug und boten den Fans alles, was gewünscht wurde. Diese antworteten mit Tanz, Moshpit und Crowdsurfen adäquat. Die Band besitzt einfach Kultstatus und muss zumindest einmal im Leben gesehen werden.

Im Anschluß folgte auf selber Stage die deutsche Rap-Kombo K.I.Z, während die Red Stage von Heaven Shall Burn okkupiert wurde. K.I.Z gaben sich gewohnt etwas überarrogant und nahmen sich für ihren bisherigen Erfolg etwas zu wichtig. Musikalisch boten sie relativ gekonnt wie immer ihren deutschen Hip-Hop, Zuschauer hatten sie einige, vielleicht auch, weil die Leute bereits auf die Deftones und die Chili Peppers vor der blauen Bühne warteten.

Ein mächtiges Rock-Feuerwerk zündeten hingegen ihre Landsmänner von Heaven Shall Burn. Die deutsche Metalcore-Truppe aus Thüringen machte ihrem Namen alle Ehre. Der Himmel brannte definitiv bei der gewaltigen Feuershow. Brennbares wurde zur Genüge in den Himmel geschleudert, unverbranntes Brennmaterial regnete auf die Fotografen und das Publikum in den ersten Reihen herab. Brandgefahr bestand trotzdem nicht, denn auch ein kleiner Wolkenbruch ging zu dieser Zeit über dem Festivalgelände nieder. Musikalisch war das Quintett stark wie immer. Die Rocker in der Crowd tanzten und surften fleißig, von verlorenen Kräften und müden Augen war keine Spur mehr zu sehen.

Kurz vor neun Uhr abends betraten die legendären Deftones die Blue Stage. Die ehemaligen Veteranen des Nu-Metals, seit 1988 bestehend, hatten ihre ganzen alten Kracher und das neue Album „Gore“ im Gepäck. In gewohnter Manier heizten sie dem Publikum kräftig ein und zeigten trotz dem aktuellen Tourstress keine Müdigkeit. Ihre energiegeladene Show wurde leider durch ein paar technische Probleme gestört, letztlich waren diese den Menschenmassen vor der Stage relativ egal. Die Deftones waren eine gute Booking-Wahl und erweiterten die Vielfalt des Festivals.

Fast gleichzeitig mit den Herren der US-Westküste spielten die Vertreter der Ostküste. Twisted Sister rockten in ihrer uralten Manier auf der Red Stage. Die Glam-Rocker, die es dank den Hits „I Am (I’m Me)“ und „I Wanna Rock“ zumindest in den Vorhof des Rockolymps geschafft haben, präsentierten sich auf ihrer wohl letzten Europa-Tour spielfreudig und kräftig. Sänger Daniel Snider fegte wie ein Jungspund über die Bühne und krächzte mit seiner typischen Stimme die Gassenhauer in den Abendhimmel. Etwas eigenartig wirkte der Rest der Band. Sie sahen eher so aus, als wären sie gerade von Schnitzel und Bier im örtlichen Landgasthaus aufgesprungen, um dem Sänger zu assistieren. Einzig Snider erinnerte optisch an den altbekannten Hair-Metal-Look. Sehenswert war der Auftritt trotzdem, nicht nur wegen des Kultfaktors, der die Band seit Jahrzehnten umgibt.

Das Grand Finale war in diesem Jahr den Red Hot Chili Peppers vorbehalten. Die Crossover-Jünger aus Kalifornien baten zur letzten großen Show des Nova Rock 2016. Sie gaben sich besonders anfangs sehr zurückhaltend und spielten die ersten dreißig Minuten relativ trocken runter. Anthony Kiedis und Bassist Flea wachten im Laufe der Show mehr und mehr auf, konnten das Ruder aber auch nicht mehr ganz rumreißen. Dazu gesellte sich der Fehlerteufel, viele Textschwächen und Ungenauigkeiten waren die Folge. Auf der Setlist stand Neues wie Altes, wobei letzteres deutlich besser beim Publikum ankam. Flea kämpfte zwar ab der Hälfte intensiv um die Gunst der Crowd, wirklich bekommen hat er sie aber nicht. Insgesamt war die Darbietung etwas schwächer, als man es vielleicht gerne erwartet hätte. Bei einem so großen Namen muss es einfach mehr geben als große Videowände und halbmotivierte Bandmitglieder. Schade eigentlich, denn für viele waren die Red Hot Chili Peppers das absolute Highlight am Nova Rock und sicher auch ein großer Kaufgrund für Tickets.

Hängende Köpfe sah man deswegen trotzdem kaum, höchstens weil das Nova Rock 2016 nun offiziell vorbei war. Die Veranstalter schickten die Fans mit einer kleinen aber freudebereitenden Überraschung nach Hause. David „The Hoff“ Hasselhoff wird das Festival 2017 beehren. Und auch einen Termin haben die Verantwortlichen schon gefunden. Von 8. bis 10. Juni 2017 wird in Nickelsdorf wieder intensiv gerockt!

EVENT-WEBSITE: www.novarock.at

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