MOTOR

SPANNUNG PUR BEIM RED BULL AIR RACE 2016

Von  | 

Trotz aller negativen Wettervorhersagen konnte am Wochenende der zweite Lauf der Red Bull Air Race Weltmeisterschaft 2016 in Spielberg planmäßig über die Bühne beziehungsweise durch die Lüfte gehen. Die Steiermark, das grüne Herz Österreichs, ist ja seit Jahren ein Fixpunkt im Kalender der Luftakrobaten und eines der beliebtesten Rennen unter den Piloten.

Aber besonders für die Zuseher wäre eine wetterbedingte Absage traurig gewesen, denn das Red Bull Air Race verzaubert und begeistert immer wieder. Besonders die aus Deutschland angereisten Fans kamen dabei voll auf ihre Kosten, denn in beiden Klassen siegten Herren aus unserem Nachbarland. Sowohl Nachwuchspilot Fabian Berger in der Challenger Class als auch Matthias Dolderer in der Master Class feierten ihre Premierensiege in der Weltmeisterschaft.

Das Rennwochenende begann zunächst wenig verheißungsvoll und mit gedämpftem Optimismus, denn bereits die Tage davor wurde immer schlechteres Wetter prognostiziert. Während am Freitag noch das freie Training bei strahlendem Sonnenschein abgehalten wurde, lag die Regenwahrscheinlichkeit für Samstag, dem Tag des Qualifyings, bei nahezu einhundert Prozent. Ein Regenchaos am Red Bull Ring schien Realität zu werden. Verständlich also die Sorgenfalten in den Gesichtern der Piloten, schließlich sind ihre Arbeitsgeräte nicht sonderlich schlechtwettertauglich.

Am Samstag sollte dann doch alles anders kommen, und die Wettergötter zeigten sich gnädig, vermutlich wollten sie selbst nicht auf ein Spektakel in der Größenordnung eines Red Bull Air Race verzichten müssen. Die Sonne kam zwar nur vereinzelt durch, die Bedingungen waren aber absolut flugtauglich, und auch das enorme Rahmenprogramm, mit dem Red Bull dieses Jahr wieder die Fan-Scharen begeisterte, war komplett durchführbar. Den Zuschauern wurde abseits des eigentlichen Renngeschehens so ziemlich alles geboten, was das Motorsportherz höher schlagen lässt. Der Energy-Konzern aus Salzburg ließ seine hauseigenen Rennwagen um den Ring jagen, Helikopter Loopings vollziehen, und auch sonst sollte keine Sekunde Langeweile im Publikum aufkommen. ‚Typisch Red Bull’ muss man einfach und ehrlich zugeben. Sportlich lief es besonders für den Lokalmatador Hannes Arch am Samstag hervorragend. Mit dem zweiten Platz im Qualifying zeigte der gebürtige Steirer groß auf. Balsam auf die Seele, konnte doch der Weltmeister von 2008 in den letzten zwei Heimrennen nicht sonderlich punkten.

Für eine kleine Überraschung sorgte jedoch Juan Valerde. Der nur auf Platz 13 in der WM-Wertung liegende Spanier freute sich über seine erste Bestzeit in einem Qualifikationslauf. Mit Matt Hall, Nigel Lamb und Matthias Dolderer komplettierten allerdings durchwegs Favoriten auf den Rennsieg die Top 5. Die Stimmung sowohl auf den Rängen als auch unter den Piloten war nach dem geglückten Zeittraining völlig ausgelassen. Der gesamte Air Race Zirkus präsentierte sich wie immer publikumsnahe, und auch zahlreiche Prominente mischten sich unter die Zuseher. Neben dem ehemaligen Zweirad-Gott Mick Doohan waren auch Österreichs Ski-Asse Michi Hayböck und Niki Hosp vor Ort, letztere wurde von Hannes Arch zu einem gemeinsamen Flug im Mai eingeladen, wird wohl eine Erfahrung irgendwo zwischen Fluch und Segen werden.

Der Sonntag, also der Tag des Rennens, begann tatsächlich wie von den Meteorologen vorausgesagt, nämlich eiskalt. Die Temperaturen kletterten am Vormittag kaum über sechs Grad. Doch es war bis auf kurze Schneeschauer (ja, wirklich Schnee) und leichten Windböen absolut vertretbar zu fliegen. Trotz der kühlen Temperaturen waren die Ränge auf den Tribünen, die zahlreichen Attraktionen sowie Infostände super besucht. Das Publikum trotzte den widrigen Temperaturen sichtlich und wurde dafür mit zwei unfassbar spannenden Luftkämpfen, sprich Rennen belohnt. In der Challenger Class sicherte sich wie bereits oben erwähnt der junge Florian Berger aus Deutschland den Sieg vor dem US-Amerikaner Kevin Coleman und dem Schweden Daniel Ryfa. Der überglückliche Sieger bestätigte damit nach seinem Podiumsplatz in Abu Dhabi seine aufsteigende Form und empfiehlt sich immer mehr für die Master Class.

In eben dieser kam es zu einem wahren Showdown und Nervenkrimi. Hannes Arch hatte sich mit hervorragenden Leistungen in die letzte Rennrunde, genannt „Final 4“, gekämpft und traf dort auf Matthias Dolderer, Pete McLoed sowie den legendären Nigel Lamb, Weltmeister 2014. Arch kämpfte großartig vor heimischem Publikum, und kurz sah es so aus, als würde er tatsächlich den so sehr gewünschten Heimsieg erfliegen. Die Spannung war auf den Tribünen zu spüren und in den Augen der österreichischen Fans zu sehen. Doch am Ende sollten die Deutschen jubeln. Matthias Dolderer lag bis zur letzten Zwischenzeit hoffnungslos zurück, konnte aber im Finish noch einen Gang zulegen und gewann in eindrucksvoller Manier. Seine Bestzeit war an diesem Tag nicht mehr zu schlagen. Hannes Arch zeigte sich als fairer und sportlicher Verlierer und gratulierte dem Oberschwaben als einer der Ersten lachend zu seinem Premierensieg in der Red Bull Air Race Weltmeisterschaft. Auch der Dritte, Nigel Lamb war mit seiner eigenen Performance durchaus zufrieden und streute dem überglücklichen Sieger Rosen. Für Altmeister Lamb wird es wohl der letzte Auftritt in Spielberg gewesen sein, besonders erfreulich also, dass er es vor der anstehenden Fliegerrente nochmal in Österreich aufs Podest geschafft hat. Überhaupt war die ganze Air Race-Familie glücklich ob der mehr als gelungenen Veranstaltung sowie der Tatsache, dass sie der Welt wieder einmal gezeigt hat, wie Rennsport sein muss: so spannend, dass sogar das Schlechtwetter mal eine Pause einlegt.

Please follow and like us:
Facebook
Facebook
PINTEREST
Instagram
YouTube
YouTube

Vielen Dank für Dein Sharing!