KOLUMNE

Rolltreppen-Philosophie

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Eigentlich hätte das hier eine erfolgreiche Berichterstattung darüber werden sollen, wie ich zwei Wochen lang auf Rolltreppen und Aufzüge verzichte.

Doch ganz „as usual“ Sam, habe ich bereits nach fünf Tagen aufgegeben. Gut, könnte daran liegen, dass die Umsetzung dieses Vorhabens in der hitzigsten Hitzewelle 2015 stattfinden wollte, in der der Mensch schon beim Auftragen des Deos nach dem Duschen wieder transpirierte. Ob ich deswegen immer angestarrt wurde, als wäre ich ein blauer Kukuruz? Wegen meines Vorhabens in der Tropensaison, oder einfach nur weil: wer macht denn schon sowas?

Fünf Tage lang habe ich es jedenfalls durchgezogen, darunter ein Besuch bei der Freundin mit Dachgeschoßwohnung (ich glaube, es waren etwa sechs Stockwerke). Bei dieser Unternehmung  sind mir folgende Dinge aufgefallen: erstens, dass uns WienerInnen alle möglichen Wege zu leicht gemacht werden – manchmal konnte ich nicht einmal auf Treppen ausweichen, zumal es keine gab. Dann bin ich halt die Rolltreppen raufgelaufen, als Kompromiss. Vielleicht ist der leichte Zugriff auf Junkfood nicht der alleinige Grund für die überschüssigen Pfunde. Nö, ich schieb das jetzt alles auch auf Rolltreppen, Segways, Aufzüge und die kurzen Strecken zwischen den Haltestellen der Öffis.

Zweitens: habe ich ein sehr geringes Durchhaltevermögen. Dieses Verhalten zieht sich eigentlich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben. Ist es die Zielsetzung? Sind die Ziele zu hoch gesteckt? Oder passen sie einfach nicht zu mir? Gerade erst vor kurzem einen Artikel im „Philosophie Magazin“ nicht zu Ende gelesen, der das Thema ‚Ziele im Leben’ behandelt. Die paar wahrgenommenen Sätze lasen sich wie ein Gebet, kurzum:

Sich ein Ziel zu setzen ist eine vorprogrammierte Depression! In der Regel wird man nämlich seinem voraus visualisierten Ich nicht gerecht und daraus resultiert Enttäuschung.

Saugeil, denke ich mir, denn ich bin das Paradebeispiel für planlos. Planlos bedeutet also Glück beziehungsweise glücklich. Da fühle ich mich sofort bestätigt, denn nichts ist unbestimmter als die Zeit, die vor uns liegt.

Aber dann wiederum kratzt mich genau das mit der Zeit. Denn ohne ein Ziel vergeht sie sinnlos. Ob man jetzt Geburtstage und Weihnachten als Ziel sehen darf? Nein, sie sind eher Anhaltspunkte. Vielleicht ist das Wort „Anhaltspunkt“ sogar der Schlüssel zum Fort Knox der Psyche. Ich meine, was wünschen wir uns wirklich und welche Ziele wurden uns denn auferlegt, was kann alles auf dem Weg dorthin noch stattfinden? Ergo – Stattfindung als Anhaltspunkt.

Naja, es ist sowieso schwierig, den gesamten Unterschied auszumachen: wer will ich sein und wer will ich für andere sein, oder: wie wollen denn andere, dass ich bin? Wie bestimmt sich jetzt mein Ziel, die sogenannte Stattfindung? Ich persönlich habe irgendwann einmal aufgehört, meine Pläne groß raus zu posaunen, weil ich einfach zu oft „Feuer!“ schrie, obwohl ich noch nicht einmal etwas angezündet hatte. Man braucht sowieso keine Cheerleader im Leben und sollte nur tun, was man auch wirklich tun möchte – und das auch nur soweit, wie man es eben „schafft“. Kriminelle Aktivitäten ausgeschlossen, von mir gibt’s hierfür keinen Freibrief.

Die Rolltreppen-„Story“ war also eben nicht ganz für mich alleine, sie wäre nur eine Geschichte geworden. Für Euch. Da konnte ich doch nur „failen“, nix Schlimmes dabei! Ich habe so oft nicht erreicht, was ich wollte. Rückblickend aber trotzdem einiges geschafft. Wer ständig seine Augen nach vorne richtet, wird diesen Rückblick nicht haben. Also: Scheuklappen ab jetzt runter, ok? Und aufpassen beim Verschwenden der Zeit! Investieren wir sie lieber in Angelegenheiten, die uns gute Erinnerungen schenken. Und nicht immer hoffen, dass sie schneller vergeht, denn wenn sie uns diesen Gefallen tut, tun wir dann alle plötzlich ganz überrascht. Wo sind denn all meine Jahre nur hin?

„Die wahren Ziele sind nicht immer gleich die erkennbaren Ziele.“ – von einem chinesischen Mönch bei einem Tempel in einem Traum, den ich mal hatte. Schmäh ohne!

Wir sind also nicht über unsere Ziele, Pläne oder Träume definierbar – denn diese können sich immer ändern oder ganz und gar „gecancelt“ werden. Demnach wären wir ja dann des Öfteren nur mehr eine Blankoseite, und das ist schier unmöglich. Jeder zurückgelegte Kilometer in Richtung Ziel oder Anhaltspunkt hat unsere Seite(n) vollgedichtet – egal ob angekommen oder nicht, und das ist ein ziemlich gutes Geschenk. Es hört auf den Namen Erfahrung. Zudem nicht vergessen: die Zeit, genauer gesagt die gegenwärtige, ist ab jetzt unser bester Haberer – also: „whatever“, leben wir einfach mal so dahin, halt mit netten Anhaltspunkten, und von dort aus blicken wir kurz zurück, nicken und dann schauen wir mal weiter!

Träume, Wünsche und Zielsetzung – und das alles nur, weil ich zu faul bin um Treppen zu steigen.

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