COBYN

SCHiCK BEIM ÖSTERREICH-WALES MATCH

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Schon im Vorfeld war klar, Wales ist ein Angstgegner unserer österreichischen Nationalelf. „Meistens entscheiden Kleinigkeiten und das nötige Quäntchen Glück über Sieg oder Niederlage“, ließ Teamchef Marcel Koller vor der schwierigen Partie wissen. Doch Fußball ist keine Glückslotterie und Angst kein guter Begleiter, wenn man gewinnen will.

Der österreichische Fußball liegt momentan auf Platz 26 der internationalen FIFA-Rangliste, Uruguay auf Platz 9, auch die USA kickt besser und kann sich über Platz 22 freuen. Die Amis und Fußball und besser als wir?

© Manfred Cobyn/SCHiCK Magazin

Ich gestehe, ich bin ein Ahnungsloser, war nie Fan einer Fußballmannschaft, in den vergangenen 20 Jahren habe ich nur so nebenbei mitbekommen, gegen welche schwachen Nationen wir wieder und immer wieder verloren haben. Ob auch einbeinige, blinde oder sonst versehrte Gegner uns ins Aus geschossen haben, könnte durchaus sein, aber wie gesagt, ich bin Ahnungsloser.

Der Hype, als wir es nach vielen Jahren endlich schafften, aus eigener Kraft, an einem großen Turnier teilnehmen zu dürfen (EM 2016), ließ auch mich nicht kalt, ich wurde infiziert vom Fußballfieber und verfolgte fortan alle Spiele im Fernsehen. Bei den Spielen in Frankreich verflog die Euphorie aber gleich, und das Gefühl des Fremdschämens stellte sich ein. Wollen diese gut bezahlten Männer nicht oder können sie nicht, fragte ich mich, aber wenn sie nicht können, was haben sie dann am Rasen einer Europameisterschaft verloren?

© Manfred Cobyn/SCHiCK Magazin

Nicht ganz zufrieden: Marcel Koller

Der Österreicher ist gnädig mit seiner Nationalmannschaft und verzeiht sehr viel, neues Ziel: die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2018 in Russland, das Problem, man muss sich qualifizieren. Und bei einem dieser Qualifikationsspiele wollten Kollege Markus Mössmer, Theaterchef beim SCHiCK-Magazin, und meine ach so sportliche Wenigkeit dabei sein, und zwar hautnah. Als Fotograf hatte ich an diesem Abend die Arschkarte gezogen, es war kalt und vor allem es regnete, mein Platz war neben dem Spielfeld, viel Plastik schützte meine Kamera. Feuchtigkeit ist tödlich für eine Fotoausrüstung, doch sie hielt durch. Das Fußballfeld roch nach frisch gemähter Wiese, auf den Rängen stimmten sich die Fans ein, sehr friedlich, kein bengalisches Feuer oder unsportliche Chöre trübten die gute Stimmung.

Dann der Einzug der Gladiatoren, sie nahmen Aufstellung, und wie schon so oft im TV gesehen fanden es einige Austrokicker nicht der Mühe wert, zumindest ihre Lippen zur Nationalhymne zu bewegen. Vielleicht sollte sich der ÖFB eine Geldprämie ausdenken, um Nationalspielern doch ein Lippenbekenntnis zu Österreich abzuringen. Aber eigentlich sollten sie es gratis machen, ganz einfach aus Prinzip.

© Manfred Cobyn/SCHiCK Magazin

Keine Lust auf Hymne: Österreicher David Alaba

© Manfred Cobyn/SCHiCK Magazin

Ich habe noch nie Fußball fotografiert, bei einem guten Sportfoto spielen so viele Faktoren eine Rolle, und es bedarf langjähriger Erfahrung, doch das eine oder andere Bild ist mir gelungen.

Aber nun gebe ich ab zu Kollege Markus Mössmer, der das Match auf der trockenen Pressetribüne verfolgte.

Danke Manfred, tut mir leid, dass du unten mit der Feuchtigkeit zu kämpfen hattest.

Schon vor Anpfiff ist die Stimmung im gut gefüllten Ernst Happel-Stadion bombastisch. Von den Rängen ertönen die bekannten Schlachtgesänge unserer Fans. Die von Tausenden immer wieder geschmetterte österreichische Bundeshymne verursacht auch bei Nichtpatrioten eine angenehmeersum heißt Real Madrid und äußert sich vor allem im Marktwert des Spielers, der sich auf unglaubliche 90 Millionen Euro beläuft.

Die Fans bereiten sich in der Nachspielzeit der ersten Hälfte schon auf die Pause vor, um sich mit leckerem alkoholfreien Bier zu stärken, da hat Gareth Bale den Ball an der Seitenlinie in den Händen. Er nimmt Anlauf und katapultiert die Kugel knapp vor das gegnerische Tor, wo schon ein walisisches Kopfball-Ungeheuer wartet. Robert Almer pariert, doch leider prallt der Ball von einem österreichischen Fuß ab und findet den Weg in den Kasten.
Die Stimmung im Stadion bleibt unverändert, und Österreich stürmt in die zweite Hälfte.
In der 48. Minute erobert Marco Arnautovic kurz nach der Mittellinie den Ball und zieht im Alleingang Richtung gegnerisches Tor, wo er ihn eiskalt im rechten Eck versenkt.
Bis zum Abpfiff versucht unsere Nationalelf den Führungstreffer zu erzielen, was trotz vieler guter Aktionen Gänsehaut. Von Beginn an drückt unsere Mannschaft nach vorne und der Ballbesitz spricht klar für die Elf von Marcel Koller. Hauptaugenmerk bei den Walisern ist natürlich auf den Superstar Gareth Bale gerichtet, über den Marc Janko sagte: „Gareth Bale spielt in einem anderen Universum“.
Markus Mössmer

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