COBYN

SCHLECHTE VERBINDUNG

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Wenn man in Wien von A nach B kommen möchte, gibt es eigentlich nur vier Möglichkeiten, und ich habe alle getestet.

Möglichkeit eins: Man geht zu Fuß, doch bei 414,6 km² ist es nicht leicht, von zum Beispiel der Per-Albin-Hansson-Siedlung in Favoriten zur Donaustadt zu marschieren.

Möglichkeit zwei: Das Fahrrad. Es wurden zwar fleißig an allen möglichen Gässchen und Straßen Radwege aufgepinselt, auch gegen Einbahnen, doch ist der Mensch ein anderer, wenn er in die Pedale tritt. Egoistisch, wie wir nun mal sind, gibt es auf den zwei Rädern nur ein Ziel. Ich radle, also bin ich. Es wird weder auf Fußgänger geachtet noch auf Automobile, die einen dann doch rammen und zerquetschen könnten.

Möglichkeit drei: Mit dem Auto fahren und in völlig überfüllten Straßen im Stau stehen. Dabei in der Nase bohren, hupen und dem Herzkasperl seine Chance auf einen Auftritt geben. Parken kann man, irgendwo im Nirgendwo, wenn überhaupt.

Möglichkeit vier: Die Wiener Linien, die ich oft in Anspruch nehme, ich kaufe mir brav Monat für Monat eine Karte, denn Schwarzfahren wäre keine Option für mich, einfach aus Prinzip.

©Manfred Cobyn/Schick-Magazin

Überfüllte Bim ©Manfred Cobyn/Schick-Magazin

Doch leider ist Öffi-Fahren meistens sehr unlustig. Die Intervalle wurden augenscheinlich verlängert statt verkürzt. Wurden im März die Türen noch automatisch geöffnet und geschlossen, muss dies nun der Fahrgast erledigen. Regelmäßiges Lüften ist in Schulen ein zentraler Baustein bei den Maßnahmen gegen eine Verbreitung des Coronavirus. Die Wiener Linien verzichten aber darauf, vermutlich ist der Fahrer oder die Fahrerin mit einem zusätzlichen Drücken auf ein Knöpfchen vollkommen überfordert, oder es ist ihnen einfach egal. Sie sitzen ja geschützt in der Fahrerkabine, und was hinter ihrem Rücken passiert, kümmert sie äußerst wenig.

Nach längeren Intervallen sind dann natürlich  alle Wagons hoffnungslos überfüllt, und Abstand kann man vielleicht auf Grönland halten oder am Großglockner, aber ganz sicherlich nicht in öffentlichen Verkehrsmittel. Statt eines Babyelefanten ist man gezwungen, den Abstand einer Salatgurke einzuhalten, manchmal auch einer Haselnuss.

Letzten Mittwoch hatte ich einen Termin bei der Polizei in der Van-der-Nüll-Gasse und musste in einem total überfüllten Bus 14A hin- und wieder zurückfahren.

 

Am 5. Dezember musste ich meine kranke Freundin besuchen, um ihr zu helfen und Lebensmittel zu liefern. Es war 16:30 Uhr, und ich wollte vom Hauptbahnhof mit der Straßenbahn O 3 Stationen zur Kölblgasse fahren. Ich wartete über 20 Minuten auf die Bim. Natürlich sprach ich den Fahrer an, da ich wissen wollte, warum man so lange warten muss. Dem war das wurscht, und er sagte mir lapidar:  „Is hoat so“. Da ich aber mehr wissen wollte als seine dümmliche Antwort, zeigte er mir den Stinkefinger. Auch eine Möglichkeit der Kommunikation. Sollte also heißen, Kunden, die öffentlich fahren wollen, sollen einfach scheißen gehen.

©Manfred Cobyn/Schick-Magazin

©Manfred Cobyn/Schick-Magazin

Den Vorfall und das Überhaupt, habe ich der Presseabteilung der Wiener Linien geschrieben, zweimal, doch es kam keine Antwort. Offenbar stecken die ihre vielen Köpflein in den Sand und bunkern sich ein.

 

Ist es die Gier, ist es Gleichgültigkeit, oder sind wir Kunden einfach egal.

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