CD-REZENSION

Stille Nacht, vorbei!

Von  | 

Als hätte uns das Jahr 2020 mit einer weltweiten Pandemie, einer mäßig fähigen Regierung und einem Terroranschlag nicht genug abverlangt, kommt jetzt Gabalier daher und versucht, uns die stille Zeit im Jahr madig zu machen.

 

Andreas Gabalier hat sich einen Wunsch erfüllt, dank Corona. Er durfte nicht auf den Bühnen dieser Welt vor euphorisierten Fans mit dem Po wackeln oder seine „Hakenkreuz-ähnliche“ Pose vorführen, also hat er mit seinem langjährigen Produzenten Matze Roska diesen Ohrenangriff produziert. Der Terminkalender hat’s erlaubt. Laut offizieller Information seiner Plattenfirma Electrola (Universal Music) wurden Titel letztes Jahr u.a. in den USA eingesungen. „Somit kann man gut den Spirit der Weihnachtszeit spüren, den Festbraten im Ofen riechen und das Kaminfeuer knistern hören.“

Quelle_Gablier_Facebook

Quelle_Gablier_Facebook

Ich habe es mir also zwischen reichlich Engerldeko, in Wollsocken und einer guten Wintermischung in der Tasse auf dem Sofa gemütlich gemacht. Sofort nach dem Intro von Gabaliers  „A Volks-Rock’n’Roll Christmas“ meines Lieblingsvorweihnachtsliedes „Last Christmas“, im Original von Wham!,  bin ich allerdings aufgesprungen und habe Teehäferl gegen Inländerrum-Flasche ausgetauscht. Nichts und niemand konnte mich vor meinen Tränen retten. Eine Mischung aus der Spaßformation HMBC aus Vorarlberg trifft eine Zeltfestcombo, und dazu singt Gregor Meyle bemüht, während er auf einem Kinder Xylophon klopft. Sein Duett-Partner Andreas Gabalier himself hat nicht nur Probleme mit dem Tempo, sondern besteht auf Hirschröhren statt Gesang. Niemals wieder werde ich „Last Christmas“ ohne Anflug einer Depression hören können.

Der erste Titel auf dem Album ist der Weihnachtsklassiker von Chris Rea „Driving home for Christmas“, und schon gehen meine Ampeln auf Rot. Im Gegensatz zum Original freut sich der Interpret von heute offenbar nicht, auf einer beschwingten Reise zu seinen Lieben zu sein. Eher bekommt man den Eindruck, er macht sich mit tränengeschwollenen Augen auf den Weg, ist über den Stau froh und raunzt vor sich hin. Die Vorfreude weicht einem Trauermarsch.

„Es ist die Zeit“, eine schon ältere Eigenproduktion von Gabalier, schließt hier nahtlos an.

 

Wenn der Schlagerbarde anfängt mit „Heim drimin on a weid Christmas“, erinnert das an Englisch für Volksschüler, macht uns aber sofort klar, gerade Bing Crosby hatte zu große Schuhe für Gabalier an.

Wieso sich Andreas Gabalier speziell eine Weihnachts-CD aussuchen musste, um eine billige Parodie auf Elvis Presley abzuliefern, entschlüsselt sich mir nicht. Beides deutlich zu hören bei „Winter Wonderland“ und „Blue Christmas“. Da hilft auch nicht, wenn ich mir vorstelle, wie Andreas mir aus nächster Nähe zuzwinkert. Sich an einem angeblichen Idol so abzuarbeiten, kann man wahrscheinlich nur erleben, wenn ein Säugling versucht, Céline Dion nachzuplärren.

„Run Rudolph Run“ finde ich gut. Es klingt nach Improvisationsmusik. Alles heillos durcheinander, nicht aufeinander abgestimmt, aber echt eine coole Nummer.

Quelle_Gablier_Facebook

Quelle_Gablier_Facebook

Schlussendlich, wir haben es fast geschafft: „Stille Nacht“ beginnt wie ein Choral, geht in Sprechgesang eines Menschen über, der sich nicht sicher zu sein scheint, ob er das Ernst meint oder lieber doch einen Witz reißt. Das rettende Ende ist nah.

Zusammenfassend kann man sagen, ein Album, das Volks-Rock’n’Roller-Fans glücklich machen wird. Sie stören sich seit Jahren nicht daran, dass ihr Idol kein begnadeter Sänger, sondern ein sich rüber raunzender Interpret ist. Mehr Volks, denn rockt. Seine rührseligen Geschichten fehlen ein wenig, im Vergleich zu seinen Konzerten, auch würden sie in die besinnliche Zeit besser passen als auf einem Sommer-Open Air.

„Dies ist die persönliche, völlig unqualifizierte Meinung eurer Redakteurin Ina“

 

Homepage von Andreas Gabalier:

 

 

Please follow and like us:
Facebook
Facebook
Twitter
Visit Us
PINTEREST
Instagram
YouTube
YouTube

You must be logged in to post a comment Login

Gib deinen Senf ab!

Vielen Dank für Dein Sharing!