KONZERT

The Cure in Wien – eine überraschend bunte Rockshow

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Die Wiener Marx Halle wurde am Nationalfeiertag zur Kathedrale – weniger „goth-isch“, aber dafür ein eher rockiges Klang-Gewölbe. Sie sind schlicht und einfach Ikonen- mittlerweile für Generationen:

Dunkel-bunte Füchse der Pop-Geschichte, oft zitierte und vielfach versucht-kopierte Unikate der etwas dunkleren Musikgeschichte. Jedoch versperren hohe Erwartungen und eine Portion jahrzehntelang gezüchteter Respekt eine klare Sicht auf die Bühne – welche in der fast überfüllten, durch Zäune unnötig eingeengten Marxhalle auch nicht gerade optimal war.

Doch auch ohne bester Sicht auf die skurrilen Gestalten, die im plötzlich abgedunkelten Licht die Bühne betraten, gab es eine Art kollektives Innehalten – vor allem als dann mit dem Glockenspiel-Intro zu „Plainsong“ der Konzertabend endgültig eingeläutet war. Ein perfekt gewählter Opener, ein raffiniert gesetzter Schritt zurück in eine Zeit, als The Cure gerade in ihrer Mitte angekommen, ihr Opus Magnum „Disintegration“ veröffentlicht hatten.

Man wurde in diese Zeit eingeladen und in ihr schauderhaft wohlig eingebettet: Ganze sieben weitere Nummern folgten aus diesem legendären Album – unter anderem der vom Publikum spürbar herbeigesehnte „Lovesong“, der mit „the Walk“ zu einem der ersten großen Highlights dieser Fête Noir wurde und eine erste ansteckende Euphorie durch die Reihen hörbar machte.

Doch kaum eingetaucht in diese schaurig feine Sphäre, wurde man schon weggerissen auf einen rasanten, fast chronologischen Streifzug mit kleinen Sprüngen vor und zurück, durch ganze vier Dekaden beängstigend genialen musikalischen Schaffens, monströser Dichte. Vom „Boys Don`t Cry“- bis zum „Wish“– und weiter bis „Dream 4:13“– Album. War man anfangs vielleicht noch mit, – oder gar hingerissen, ging der nicht ganz so eingefleischten Teil der Zuhörerschaft bald die Luft aus, und das nicht nur weil es in der Halle viel zu heiß und stickig war.

Als wäre die lautstark zelebrierte Zugabe „It`s never enough“ das Credo des Abends gewesen, war hier manchmal eben doch etwas zu viel von allem vorhanden: Zu viele Songs, zu viele Effekte über zu laute Gitarren gelegt, die unter anderem leider die feinen charakteristischen Synth-Sounds völlig übertönten. Und dennoch schaffte es die traurig-clowneske Stimme Robert Smiths stets durch die größtenteils zu dicht gewobenen Klangvorhänge.

Doch nach eben genau seinem Rezept soll kein Konzert dem anderen gleichen, kein Song stets wiederholbar interpretiert werden. Gerade dieses Konzept veranschaulichte diesmal eben die verspielt rockigere Seite einer Band, die dafür zu kritisieren dann doch auch nur Jammern auf höchstem Niveau wäre – wo sie doch die Kunst des zelebrierten Jammerns in der Popkultur erst auf das höchste Niveau gebracht hat.


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