LEBENSART

VIENNA HARLEY DAYS

Von  | 

Mit V wie Harley-Davidson

Wenn dank der wuchtigen V-Motoren im zweiten Wiener Gemeindebezirk und auf der Ringstraße die Fensterscheiben zittern und es dazu herrlich nach unverbranntem Benzin duftet, dann ist es wieder soweit: es sind die Vienna Harley Days!

Beinahe so traditionell wie die Schmiede der brummenden Hubraum-Monster selbst ist das alljährliche Zusammentreffen ihrer Besitzer im Wiener Prater. Dieses Jahr versammelten sich die stolzen Eigner der heißen Eisen vom 17. bis 19. Juli auf der Kaiserwiese und in der Hauptallee, um gemeinsam mit den Fans und Freunden der Kult-Bikes zu feiern.

Wie im Vorjahr begann das Event am Freitag mit dem sogenannten Capital Ride, einer gemeinsamen Fahrt im Konvoi von St. Pölten nach Wien, an der wie schon 2014 zahlreiche Biker teilnahmen. Nach der Ankunft im Prater und dem somit offiziellen Start des Events war für ein breites Rahmenprogramm gesorgt. So spielten etwa die Rocker von Stiletto groß auf und die zahlreichen Bewirtungsmöglichkeiten versorgten die Benzinbrüder mit Nahrung und Treibstoff.

Die obligatorische Fahrerparade mit rund 2000 Teilnehmern entlang des Wiener Rings fand am Samstag kurz nach Mittag statt und begeisterte mit atemberaubendem Sound, wunderschönen, teils einzigartigen Maschinen und perfekter Organisation seitens des Veranstalters. Sogar bei den zur Rennleitung abgestellten Mannen der Wiener Polizei waren freudige Gesichter zu sehen, als die zahlreichen Zweiräder mit ihrer unverwechselbaren Geräuschkulisse an ihnen vorbeiknatterten. Trotz des strahlenden Sonnenscheins und der damit verbundenen Temperaturen kamen unzählige Schaulustige und Motorradbegeisterte, um die Harleys zu bestaunen, zu fachsimpeln und das private Fotoalbum um Aufnahmen diverser Prachtexemplare zu erweitern. Neben vielen Ausstellungsständen einiger Händler, Hersteller und Fanclubs war auch Harley Davidson Österreich vor Ort und stellte neben einem Simulator auch Maschinen unterschiedlichster Bauart für Probefahrten zur Verfügung.

Dank Florian Krassa, dem Geschäftsführer von Harley Davidson Österreich, sowie seinem Marketingmanager Günther Eder hatten auch wir vom Schick-Magazin die Möglichkeit zu so einer Ausfahrt. Das Bike, welches auf den Namen Street Glide Special hört, durften wir eine gute Stunde lang fahren und uns von den Vorzügen des edlen Stücks überzeugen. Gut, zugegeben, so etwas Wuchtiges und Großes ist nicht jedermanns Sache und ja, unser Testfahrer, ein erfahrener Amateur-Rennfahrer, der für gewöhnlich eine grüne Japanerin mit über 200 PS durch die Kurven diverser Rennpisten scheucht, sah mit seinen 65 Kilogramm Trockengewicht relativ ungewöhnlich auf dem amerikanischen Biest aus, trotzdem machte es ihm einen Heidenspaß, damit durch die Gassen Wiens zu brummen. Das verdankt es vor allem dem Umstand, dass die Street Glide mit ihren 370 Kilo zwar am Stand klobig und behäbig wirkt, aber äußerst agile und spritzige Fahreigenschaften aufweisen kann. Ob des hohen Gewichts nicht ungewöhnlich bohrte sich im abgestellten Zustand der Seitenständer zentimetertief in den heißen Asphalt wie ein glühendes Messer in Butter, aber sobald man dem Twin Cam 103-Motor mit seinen zwei Zylindern und 1700 Kubikzentimetern Hubraum genügend Sprit gab und sich die Maschine in Bewegung setzte, war das davor erwähnte Gewicht vollkommen irrelevant .

Wie der Name schon verrät, soll dieses Gerät gleiten, und das tut es, hat aber dank 138 newton’scher Meter genügend Kraft für spontane Überholmanöver oder flottere Fahrten, wenn man es doch mal eilig hat. Aber gerade diese Eile wird einem auf einer Harley genommen, nein, viel eher noch, sie wird eingetauscht. Gegen ein wohl auch mythosbedingtes Gefühl der Freiheit und ein sitzpositionstypisches Gefühl der Gemütlichkeit. Eigentlich müssten stressgeplagte, Burn-out-gefährdete Personen von den Krankenkassen regelmäßige Ausfahrten bezahlt bekommen, so sehr beruhigt es die Seele. Auf einer Harley Davidson ticken die Uhren anders, könnte man beinahe sagen.

Und so verging auch die uns vergönnte Stunde mit dem Prachtexemplar aus Milwaukee viel zu schnell. Wir kehrten also mit etwas Wehmut in die Hauptallee zurück, um es ihren rechtmäßigen Besitzern sowie den anderen begierig wartenden Testern zu übergeben. Wir werden wohl nicht die letzten und auch nicht die einzigen Begeisterten gewesen sein, die an diesem Tag von einer Harley Davidson gestiegen sind. Zum Glück gab es genügend andere, teils liebevoll restaurierte, teils kostspielig veredelte Maschinen am Areal zu bewundern, sodass der Trennungsschmerz langsam aber doch versickerte und wir die fabelhaften Vienna Harley Days noch bis zum Schluss genießen konnten.

Please follow and like us:
Facebook
Facebook
PINTEREST
Instagram
YouTube
YouTube

Vielen Dank für Dein Sharing!