KONZERT

VON SARAH MIT LIEBE

Von  | 

Wenn man sich als echter Rock-Fan auf ein Sarah Connor-Konzert verirrt, rechnet man eigentlich mit dem Schlimmsten. Doch vom erwarteten Gehörsturz oder dem leichten Übelkeitsgefühl war nichts zu merken, denn diese Frau kann deutlich mehr als ich erwartet hätte.

Doch schön der Reihe nach. Als meine Freundin vor gut einem halben Jahr auf mich zukam und meinte, dass die von ihr seit einer TV-Show im deutschen Fernsehen hochverehrte Sarah Connor auf ihrer „Muttersprache„-Tour auch in Wien Halt machen würde, zögerte ich nicht lange und fragte um zwei Presse-Tickets an. Ich dachte: „Was soll’s, ich verbinde einfach Arbeit mit zweifelhaftem Vergnügen.“ Ein paar Fotos machen, mal etwas über die Blonde aus dem Nachbarland schreiben und die Freundin auch noch glücklich stimmen, ein idealer Plan. Die Ohrwürmer der bis dato für mich fragwürdigen Künstlerin kannte ich ja, wie ich ehrlich sagen muss zu meinem Leidwesen, bereits aus den einschlägigen Hit-Radios. Wie gesagt, ich bevorzuge persönlich eher die harten Gitarrenriffs eines Wes Borland und harte Raucherstimmen wie die eines Lemmy Kilmister. Pop-Musik allgemein verweigere ich, wo ich nur kann.

Nun, zugegeben, das ganze Vorhaben ging sowohl in meiner als auch in der Lebensplanung meiner Freundin etwas unter, wer denkt schon an ein Konzert, das irgendwann in ein paar Monaten ist? Ich jedenfalls nicht. Daher kam die große Überraschung, als sich einige Tage vor dem Konzert die zuständige Plattenfirma in der Redaktion meldete und mir die Tickets für Connors Auftritt in der Wiener Stadthalle zusicherte. Ein kurzer Schauer überkam mich, aber ich war bereit, die Herausforderung anzunehmen. Um für Notfälle gerüstet zu sein und auch, um gegebenenfalls gleich in der Konzerthalle musikalisch reanimiert werden zu können, spielte ich mir noch Nevermind und Offspring’s Americana aufs Handy.

Dann also war der Tag gekommen. Da mir meine Freundin zwischenzeitlich gesagt hatte, dass sie für den besagten Abend bereits verplant sei, musste meine Cousine einspringen. Die meinte auf meine Anfrage, sie hätte eh nichts Besseres zu tun, also komme sie gerne mit. Begeisterung hört sich wohl anders an, dachte ich, aber wenigstens musste ich nicht alleine hin. Wir trafen uns am Eingang eines Einkaufszentrums, welches einem Präsidentschaftskandidaten mit Routine gehört, und schlenderten Richtung Stadthalle. Schon am Weg dorthin erlebte ich eine kleine Überraschung. Es waren deutlich mehr Männer im zukünftigen Publikum, als ich es erwartet hätte. Anfangs dachte ich, die würden ihre Frauen und Töchter lediglich mit beschämten Blicken an den Eingängen abgeben, um dann unerkannt im Dunkel der Nacht wieder durch den angrenzenden Park zu verschwinden, aber nein, die Herren blieben, die hatten auch Eintrittskarten. Somit war ich schon etwas beruhigter, andere wurden also auch von diesem Schicksal ereilt. Geordnet, wie es in der Stadthalle immer ist, nahmen die zahlreich erschienenen Fans ihre Plätze ein. Ich ging in den für Fotografen bestimmten Bereich und wartete auf den Beginn. Die Wartezeit vertrieb ich mir wie immer mit einer Analyse des Publikums. Die Halle war sehr gut besucht, und Fans aller Altersklassen waren zu finden, wieder eine kleine Sensation für mich.

Der nächste Pluspunkt für Madame Connor folgte kurz darauf, denn das Konzert begann pünktlich auf die Minute. Kein ewiges Warten, keine benötigte Zeit, um den Künstler hinter der Bühne noch nüchtern zu bekommen, wie man es von diversen Konzerten im Rock-Business kennt. Die ersten drei Songs liefen wie so oft an mir vorbei, viel zu sehr war ich auf die Fotografie konzentriert. Als dann mit dem Knipsen Schluss war, ging ich zu meinem Platz auf der Pressetribüne. Dort wartete bereits meine Cousine und begrüßte mich mit einem strahlenden „Die ist echt nicht schlecht!“. Also beschloss ich, dem Ganzen eine Chance zu geben, hörte und schaute dem Treiben auf der Bühne doch aufmerksam zu. Nun begann sich mein Blick auf Sarah Connor plötzlich zu ändern. Ihre Band war mehr als vollzählig, hatte beinahe die Größe eines kleinen Orchesters. Jeder Musiker spielte wirklich live, die Instrumente waren hochwertig, und den Soundcheck haben sie wohl ernst genommen, denn selten hat Musik in der Stadthalle trotz der schlechten Akustik eben dieser so gut geklungen. Die Background-Sängerinnen waren perfekt ausgewählt und passten stimmlich wie optisch zum Gesamtbild. Und Sarah Connor? Die war einfach großartig! Hätte man mir vorher gesagt, dass sie wirklich singen kann, hätte ich wohl gelacht, diese Zeiten sind nach diesem Konzert vorbei! Die Frau versteht es wirklich, ihre Stimme, die fantastisch ist, einzusetzen. Ganz nebenbei gibt sie sich locker wie die Sarah von nebenan und hat sichtlich Spaß mit den Fans, und die mit ihr. Ihre Show ist simpel, aber bringt es einfach auf den Punkt. Genau wie es sein sollte, im Fokus immer die Musik, keine aberwitzigen Showeinlagen, nur um von musikalischen Schwächen abzulenken, wie man es von anderen Pop-Sternchen kennt. Die Songs von Connor entsprechen zwar keinesfalls meinem Musikgeschmack, aber die Qualität, mit der sie diese wiedergibt, schon.

Als dann kurz nach der Hälfte des Konzerts ihr Ober-Ohrwurm „From Sarah with Love“ angestimmt wurde, begann das ohnehin begeisterte Publikum, sie zu feiern. Die Halle bebte ernsthaft mehr als beim berüchtigten Masters of Dirt, welches ich Wochen zuvor am selben Ort bewundern durfte. Das Publikum wurde wirklich mitgerissen vom Gesang der Hamburgerin, und auch ich musste spätestens ab dem zweiten Refrain von besagtem Lied ganz fest an Hetfield, Durst und Grohl denken, um nicht unabsichtlich am imaginären „Gefällt mir“-Button anzukommen. Die Fans hatten den schon längst gedrückt, daher ging bis zum Ende des Konzerts eine dauerhafte Woge der Begeisterung durch die Halle. Die Sängerin war sichtlich glücklich und das Publikum war auf Wolke sieben. Ein wirklich gelungener Abend für die Fans und eine echte Belehrung für mich. Sarah Connor darf man keinesfalls unterschätzen, sie kann deutlich mehr als es ihr Image voraussagt.

SARAH CONNOR, „MUTTERSPRACHE“-TOUR

19.04.2016 Messehalle Erfurt/Erfurt
20.04.2016 Stadthalle Braunschweig/Braunschweig
22.04.2016 GERRY WEBER STADION/Halle (Westfalen)
23.04.2016 Festhalle Frankfurt/Frankfurt
24.04.2016 Emsland Arena/Lingen (Ems)
24.05.2016 Festzelt Herborn/Herborn
04.06.2016 Ehrenhof im Schloss Rastatt/Rastatt
19.07.2016 Thurn und Taxis Schlossfestspiele/Regensburg
20.07.2016 Tollwood Sommerfestival – Musik Arena/München
21.07.2016 KUNSTRASEN Bonn Gronau/Bonn
22.07.2016 Zelt-Musik-Festival, Zirkuszelt/Freiburg
28.07.2016 Messegelände/Saarbrücken
29.07.2016 Barockgarten am Festspielhaus/Füssen
30.07.2016 Marktplatz – Open Air/Balingen
03.08.2016 Schlossplatz Meersburg/Meersburg
10.08.2016 Freilichtbühne Peißnitz/Halle (Saale)
11.08.2016 Filmnächte am Elbufer/Dresden
12.08.2016 Schlossplatz Coburg/Coburg
13.08.2016 Dreckburg Salzkotten/Salzkotten
19.08.2016 Klosterhof Wiblingen Apotheke/Wiblingen
20.08.2016 Zeltfestival Ruhr/Bochum

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