COBYN

Wahlk(r)ampf

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Es sieht nicht gut aus für Richard Lugner, der ja Bundespräsident der Republik werden möchte, noch fehlen 2000 Unterstützungserklärungen, und die Zeit wird knapp. Doch der Baumeister kämpft tapfer um jede Stimme. Ich traf ihn am 12. März am Viktor-Adler-Platz in Favoriten.

© Manfred Cobyn

Mir ist das zu blöd

10:30 Uhr, das Ehepaar Lugner erscheint am angekündigten Treffpunkt, doch weit und breit ist keine Bühne aufgebaut, und dies ist keine gute Nachricht für den Präsidentschaftskandidaten. Sofort zückt er sein Handy, schimpft Gott und seine Welt und vor allem mit seinem Wahlkampfmanager, der angeblich wieder mal die Pläne durcheinandergewirbelt hat. Wer den Baumeister kennt, weiß, dass hier Schluss mit lustig ist. Nach etlichen Telefonaten ist klar, die Bühne ist einige Hundert Meter entfernt aufgestellt, wutschnaubend wird das zur Kenntnis genommen, also ab in Richtung Podium, wo auch die Deutschmeister warten. Dort angekommen herrscht mal Ratlosigkeit, inseriert wurde eine andere Gasse, die aber nicht genehmigt wurde, so der Wahlkampfmanager . Alles ärgerlich, aber  Ich  habe die zündende Idee. „Herr Baumeister, wir könnten mit der Musikkapelle die Favoritenstraße raufgehen und alle wartenden Zuschauer einsammeln, wieder runtergehen zur Bühne und alles ist in Ordnung“. Nun lächelt er das erste Mal an diesem Vormittag, „gute Idee, Herr Cobyn, das machen wir“. Ich kenne ihn schon über 25 Jahre und ein paar Frauen lang, hab sie kommen und gehen gesehen, er ist nicht immer leicht zu verstehen, wirkt manchmal linkisch, aber er ist ein beinharter Geschäftsmann, und bei Geld endet jeder Spaß, ich hab`s erlebt.

Eine lange Menschentraube folgt den Protagonisten Richard und seiner Cathy, viele jubeln ihnen zu, wollen Fotos und Autogramme, manche verwechseln ihn mit dem Erlöser, dem Heilsbringer, eine Szene, die mich an Monty Python erinnert, die Deutschmeisterkapelle spielt den Radetzkymarsch. Bei der Bühne angekommen hat erst mal Frau Lugner das Wort, es ist kalt und windig an diesem Tag in Favoriten, das Plakat im Hintergrund will der Wind zerstören, doch er schafft es nicht ganz.

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„Mein Mann ist ein guter Geschäftsmann und hat schon 60 Millionen Euro Steuern bezahlt“, die Fans nicken anerkennend, aber, ob das reicht, um an der Spitze des Staates gewählt zu werden, ist fraglich. „Er wird sich nicht in seinem Büro verkriechen, er ist ein Mann des Volkes und hat Handschlagqualität“. Applaus.

Wer meint, der umtriebige Baumeister würde sofort nach der Wahl zum Präsidenten die Hofburg nach seinem Geschmack umbauen, der irrt. Das präsidentielle Gebäude wird nicht in ein Kaufhaus für Menschen mit Migrationshintergrund umgebaut wie die Lugner City. Kein Staatsgast wird gezwungen, beim offiziellen Besuch der Bundeshauptstadt eine langwierige Autogrammstunde zu geben, um mit allen militärischen Ehren empfangen zu werden.

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Nun entert Richard die Bühne, er spult brav sein rhetorisches Programm ab, hat für jeden Mitkandidaten ein paar zynische Worte parat, „Rudolf Hundstorfer, den Namen mog i net“, und Flüchtlinge würde er nicht so schnell in den Schengenraum lassen, dazwischen immer wieder Beifall, viele Ausländer sind gekommen, um ihr vermeintliches Idol zu sehen. Er wirkt müde und ausgelaugt, seine Rede wirkt relativ professionell. Gut möglich, dass er das Gestikulieren vor dem Spiegel geübt hat, wie einst Schickelgruber, der sich danach Hitler nannte. Aber die Gesten passen nicht, sie wirken etwas plump, besser gesagt „potschert“. Seinen Jüngern aber ist das wurscht. Danach folgt das Bad in der Menge, geduldig lässt er sich fotografieren und schreibt Autogramme, obwohl er sich bei manchen morgenländischen Vornamen schwer tut – „Wie heißen Sie nochmal?“. Wie gut, wenn einer Hans-Werner heißt, der aus Hamburg angereist ist, oder Kurti aus Wien, der nach eigener Aussage schon immer  Lugner-Fan war. Einige sind schon etwas angeheitert oder schon betrunken, doch das macht nichts, das Klientel in Favoriten hatte schon immer einen speziellen Flair. Manch einer überfordert den Baumeister mit privaten sozialen Problemen, „Do konn i Ihna net helfen“, der Bittsteller aber lässt nicht locker. Zum Glück kommt ein Fernsehsender und begehrt ein Interview.

© Manfred Cobyn

Nach drei Stunden ist der Spuk im 10. Bezirk zu Ende, Familie Lugner hat noch einiges zu tun an diesem Samstag, am Nachmittag Videodreh und am frühen Abend beginnt eine Discothekentour in Oberösterreich. Der Wahlkampf kostet an die 500.000,- €, ich würde ihm raten, die ganze Sause zu beenden, aber vielleicht schafft der „Kasperl“ doch noch die erste Runde und schafft die dringend notwendigen 6.000 Unterschriften.

© Manfred Cobyn

Ehepaar Lugner/Manfred Cobyn

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