KOLUMNE

Wer ist hier der Boss?

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Freunde für’s Leben – in schnelllebigen Zeiten noch umsetzbar? Ich glaube voll fest an die Freundschaft, Freunde „im“ Leben eben. Dauer und Distanz haben bis dato noch keine gute platonische Liaison ruiniert. Aber wie sehr werden wir durch solche Bündnisse denn eigentlich (um)programmiert?

Jeden Tag, nach dem Aufwachen und je nach Gesundheitsgemüt, geh ich freilich guter Dinge außer Haus und hoffe, als ein ganz artiges Mädchen wieder heimzukehren. Seien wir mal ehrlich, wie soll das denn heutzutage noch zu bewerkstelligen sein? Kaum im Dschungel des Alltags angekommen, wird man nämlich von allen Seiten mit Optionen und Versuchungen penetriert. Sei’s jetzt die Schoki der Arbeitskollegin, die neue Kollektion beim H&M oder irgendwelche Comebacks diverser Boys. Die Angebote werden auf dem Silbertablett serviert und knöpfen uns Entscheidungen ab, die wir nicht einmal mehr treffen müssen. Dass ich oft versuche zu begreifen, wie das mit der Vernunft funktioniert und wie man diese mit Entscheidungen kombiniert, ist nichts Neues. Die oberste Instanz bei Fragen, die das Leben beschäftigen, sind daher natürlich meine Freunde. Jedoch verfälscht dieses gewohnte Treiben vielleicht etwas meine eigenen Ideen. Alleine formt sich der Mensch unter anderem durch Bildung und dem ewigen Ausprobieren, aber erst der Austausch von Gedanken und Meinungen fertigen die Charakterbildung, oder? Oh, oh!

„Ach komm, ein Stamperl geht noch…“  – klaro hören wir oft auf unsere Kumpanen, richten uns auch ganz deutlich und mit Vorliebe nach ihnen. Wir observieren und beschließen, was wir uns gerne aneignen möchten, suchen Vorbilder in denen, die wir schätzen. Entledigen wir uns damit wichtiger Arbeit? Nämlich dem  Ausmachen und dem Verwerten? Das Phänomen vom Gruppenzwang ist vielen seit ihrer ersten Tschick bekannt. Daher ist es mit der Freundschaft so wie mit der Liebschaft: sei zuerst mal dein eigener bester Haberer, und dann werd der Bestmögliche deiner Besten! Denn unsere Ansichten werden oft von Außen geformt und erweitert. Unsere Gang analysiert und gibt Rat, wir dürfen hierbei überlegen: nehmen wir diesen auch an?

Eine Freundschaft ist eine Entscheidung, die man trifft, eine Richtung, die man einschlägt. Ebenso eine neue Seite, die man an sich entdecken darf, sie lässt auch vereinzelte oder zusammengesammelte Weisheiten wieder Revue passieren. Ein stetiger Lehrgang zwischen zwei Parteien, die durchs Geben und Nehmen nicht nur einen Ideen-Pool kreieren, sondern auch einen sicheren Rückzugsort. Wahre Liebe eben.

Selbstbewusstsein – da haben wir den Schmarren ja schon wieder. Sicher kenn ich mich (aus)! Aber unsere „Ego-Ups“-Dosis holen wir uns von der Person des Vertrauens. Ewig diese Selbstzweifel! Für dieses Fiasko habe ich eine ur gesunde Formel am Start: eure Partie widerspiegeln! Dabei trifft beides zu, die guten sowie die schlechten Eigenschaften. Was einem an den Nächsten aufregt, ist meistens ein bisschen eine Selbstrüge. Was wir jedoch loben, dürfen wir auch als Kompliment ansehen. Ist deine Squad leiwand, dann bist du es auch. Durch das Zusammenwachsen kommt man sich selbst auch immer etwas näher. Wer das Gefühl hat, sich erst beweisen zu müssen, muss sich erst mal damit abfinden, dass dies wiederum der Beweis dafür ist, dass jene Clique nichts taugt. Beziehungen sollten einfach sein, dies schließt Kompromisse nicht aus. Doch gerade Freundschaften nähren sich von Realitäten und Ehrlichkeit. Liebe, sei sie platonisch oder nicht, ist nichts Fixes. Freundschaft ist etwas Reales und sehr Mächtiges, und sie erhält sich vom gegenseitigen Verständnis und nicht durch gegenseitiges Erobern.

Der Verbündete ist die Stimme der Gegebenheit, wenn’s einem mal die Sprache verschlägt.

Demnach sind die analytischen Ausbrüche deiner Engsten eigentlich den Tatsachen getreuer als die eigenen Wahrnehmungen. Gerade in irrationalen Situationen, in denen wir es beherrschen, uns selbst wie die Meister zu täuschen, haben sie uns durchschaut und dürfen uns somit die Leviten lesen. Denn im Anschluss ganz rational betrachtet, werden wir ihnen dankbar sein.

Gefährten kommen und gehen, die Erfahrungen und Erinnerungen bleiben. Wir modellieren und bauen einander auf. Wir gestatten und genießen, die Dauer solcher Formationen variiert so wie das Leben selbst, doch die getragenen Früchte davon haben kein Ablaufdatum.

Ja ok, es ist offiziell, ich liebe Euch.

PS: Ich bin der Boss! „Sam, der Cartman jeder Gruppe!“

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