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WIENER FOTOGRAFEN IM PORTRAIT Teil 2: Conny de Beauclair

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Ein Mann, eine Türe und sein Fotoapparat

©Manfred Cobyn

©Manfred Cobyn/Conny de Beauclair (erinnert an den Lyriker Baudelaire)

Seine Laufbahn begann 1980 als Bewacher einer Türe, und diese Türe war keine geringere als der Eingang zum legendären U4. Wer sein Tanzbein schwingen wollte oder auch nur lässig an der Bar zu Falco’s „Ganz Wien“ wippen wollte, kam an ihm nicht vorbei, er bestimmte, wer tanzen oder wippen durfte.

Zur Fotografie kam er wie die Heilige Jungfrau Maria zu ihrem Kinde, irgendwann in den 90iger Jahren kaufte er sich eine kleine Kamera, um all die Prominenten zu fotografieren, die im U4 auftauchten. Erinnerungsfotos, wie er sagt, doch bald war er es leid, diese Erinnerungen nur in sein Poesiealbum zu kleben, zu groß waren die Namen derer, die er ablichtete. „Promigeil“ wurde er, und Zeitschriften auf ihn aufmerksam. Der „WIENER“ zahlte ihm das erste Honorar für ein Bild. Nun, warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, und rasch wurde eine professionelle Kamera angeschafft, so eine, die halbwegs richtig belichtet, wenn man auf den Auslöser drückt, die Technik der Fotografie war ihm immer egal.

Im U4 geigten nicht nur die Goldfische, sondern auch Falco oder Prince auf, Conny hatte den direkten Draht zu den Künstlern. Zu Falco entwickelte sich ein sehr freundschaftliches Verhältnis, „schlimm die Zeit für Hans, als er erfuhr, nicht der Vater seiner Tochter zu sein“.

 

Ob David Bowie, Herbert Grönemeyer oder Fats Domino, fast alle internationalen Stars, die Wien heimsuchten, verließen sich auf den persönlichen Schutz von Conny, der die Promis auch von A nach B mit seinem Auto chauffierte, egal zu welcher Tageszeit. Ganz praktisch waren da sein Faible für Oldtimer und die Tatsache, dass er weder rauchte noch Alkohol trank. Naomi Campbell wollte plötzlich nach Salzburg gefahren werden, bitteschön, kein Problem, aber nur mit anschließendem Erinnerungsfoto, „No Problem“. Zu jedem seiner Schützlinge kann er eine kleine Anekdote erzählen.

 

Die Türe des berühmtesten Clubs von Österreich kann auch gefährlich werden. Ein vollkommen Wahnsinniger verkraftete die Tatsache nicht, dass ihm, nach langem Schlange stehen, der Eingang ins U4 verwehrt wurde. Anstatt ein anderes Lokal aufzusuchen, fuhr er nach Hause, holte eine Hacke und knallte sie Conny auf den Kopf. Zum Glück waren die Verletzungen nicht so schlimm, Conny überlebte, der abgewiesene Gast wurde hinter schwedische Gardinen gesteckt. Ob er dort noch Lust auf Abtanzen bekam, ist nicht überliefert.

Eines Morgens, gegen 03:00 Uhr, rief ihn ein gewisser Mr. Depp im U4 an, er wolle in Wien eine Ausstellung besuchen und fragte Conny, ob er nicht Lust hat, ihn am nächsten Tag vom Flughafen abzuholen und durch Wien zu chauffieren. Es handelte sich um Johnny Depp, und natürlich hatte er Lust, aber keine Zeit. Götz Kauffmann stand am Terminkalender, und vor allem war ihm der Anruf nicht ganz geheuer. Doch er nahm sich dann doch Zeit, fuhr zum Flughafen und tatsächlich, Johnny Depp war gelandet, wie schön. Götz Kauffmann hatte zufällig angerufen, um den Termin zu canceln.

 

Die Liste der Schauspieler und Musiker, die er schon fotografierte, ist lange, sehr lange, und erst einmal war er kurz böse auf einen Star, Iggy Pop spuckte ihm bei seinem Auftritt auf die Linse.
Heute genießt Conny mehr denn je seine freie Zeit am Neufeldersee im Burgenland, die Sucht nach Promis ist etwas verblasst. Er geht nicht mehr zu jedem Termin mit mehr oder weniger wichtigen Menschen und zückt auch mal die Kamera in seinem Domizil, wenn die Sonne sich rot-orange färbt und sich anschickt, die andere Hälfte der Erde zu erhellen.

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